Kobra, übernehmen sie

Die wundersame Welt des Buchmarktes hat schon so manchen überfordert. Es fallen seltsame Begriffe wie Barsortimenter, Kollationieren, Mischkalkulation und vielerlei lustige Dinge mehr. Derjenige, der einfach nur ein Buch geschrieben hat und dieses gerne in gedruckter Form sehen würde, hat natürlich vom Literaturgeschäft wenig Ahnung. Deshalb kommen wir jetzt zum Thema dieses Eintrags, das viele angehende Autoren beschäftigt: Literaturagenten. Denn diese haben naturgemäß das beim Autor vielleicht fehlende Wissen und versprechen, dieses gewinnbringend einzusetzen.

Sind die notwendig? Was machen die eigentlich? Was kosten die? Sind das echte Menschen oder Buchverkaufsroboter? Alles häufig gestellte Fragen. Ich beantworte diese mal aus meiner Sicht. Ohne meine Literaturagentur Schmidt & Abrahams GbR würde ich wohl kein Autorenjournal führen, weil ich vermutlich kein Buch veröffentlicht hätte; schon gar keinen Bestseller.

Literaturagenten haben Kontakte in den Lektoraten der Verlage. Sie kennen die Lektoren, das Programm und den Verlag. Sie wissen, wo man welches Manuskript wie anbieten sollte. Sie erreichen, dass einem Manuskript Aufmerksamkeit geschenkt wird, da sie für die Verlage eine Art Filterfunktion erfüllen. Ein Agent, der auf seinen Ruf achtet, wird einem Verlag keine schlechten Manuskripte senden. Deshalb sind Einsendungen durch Agenturen eher von Interesse für Verlage. Zudem agieren Agenten als Puffer zwischen Autor und Verlag, sie geben Informationen in beide Richtungen weiter und leiten so manches Mal eine Zusammenarbeit ein. Und sie übernehmen die Vertragsverhandlungen, im besten Fall können Agenten sogar eine Versteigerung durchführen, bei der verschiedene Verlage für ein Manuskript bieten. Durch ihr Wissen können Literaturagenten bessere Konditionen für den Autor verhandeln. Eine seriöse Agentur wird irgendwas zwischen 10% und 20% von den Einnahmen des Autors verlangen. Natürlich nur bei erfolgreichem Abschluss eines Vertrags, keinesfalls im Voraus. Da man vermutlich bessere Verträge bekommt (oder gar: überhaupt Verträge), lohnt sich das für den Autor dennoch. Agenturen binden Autoren gerne für längere Zeit, wenn diese den nötigen Einsatz zeigen, deshalb sollte die Chemie zwischen Autor und Agent stimmen. Außerdem sind manche Agenturen auf bestimmte Genres spezialisiert; man sollte darauf achten, wenn man sich bewirbt.

Für mich war und ist die Agentur ein Segen. Weil sie mir erlaubt, mich auf das zu konzentrieren, was mir Spaß macht, nämlich das Schreiben. Ich kann darauf vertrauen, dass für mich die besten Verträge ausgehandelt werden und dass der Agentur meine Arbeit und mein Erfolg ebenso wichtig sind, wie mir selbst.

Literaturagenturen sind in anderen Ländern noch üblicher als in Deutschland. Aber auch hier sind sie stark im Kommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Lektorate eher verkleinert werden und so mancher Lektor zum Literaturagent geworden ist. Es ist eine Form des Outsourcings für die Verlage, sie verlagern einen Teil der Arbeit an die Literaturagenturen.

Nun zum Problem: bei einer Agentur unterzukommen ist für den Schriftstelleraspiranten häufig nicht einfacher, als direkt einen Verlag zu finden. Agenten sieben ebenso rigoros aus, leben sie doch von ihrem Ruf. Zudem engagieren sich seriöse Agenturen kaum im Kleinverlagsbereich, denn dort ist die Gewinnspanne sehr gering. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche, deshalb noch eine Warnung: Autoren werden für das Veröffentlichen von Büchern bezahlt, nicht anders herum. Geld fließt von einer Agentur zum Autor, nicht in die andere Richtung.

Hier noch eine Liste mit Literaturagenturen vom Uschtrin Verlag. Das Handbuch für Autorinnen und Autoren des Uschtrin Verlags ist übrigens sehr empfehlenswert.

Ich für meinen Teil bin mit meiner Agentur mehr als nur zufrieden. Es würde mir deutlich schwerer fallen, mich ohne ihre Hilfe durch den Dschungel des Buchmarktes zu schlagen. Aber ich bin ja auch Schreiberling und kein Literaturagent.

Trackbacks

  1. Autoren – Agenturen – Verlage

    Zu Agenturen habe ich mich bereits einmal in diesem Eintrag geäußert. Diesmal möchte ich kurz auf Verlage eingehen. In meinem letzten Eintrag zum Thema Buchmarkt habe ich geschrieben, dass Autoren nur schwer ohne Verlag auskommen können. Dafür gibt e

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