Recherche pt.3

Hier habe ich einmal zehn Gebiete aufgelistet, die bei der Erstellung von Welten und einzelnen Kulturen eine Rolle spielen. Die Reihenfolge ist zufällig und nicht wertend. Das sind nur Teile, die mir fix eingefallen sind. Sicherlich gibt es noch mehr zu beachten, aber die Liste verdeutlicht bereits, wie komplex das Thema ist. Die einzelnen Bereiche haben natürlich keine klaren Trennlinien, bedingen sich gegenseitig, stehen in Verbindung, nehmen Einfluss aufeinander.

1. Sprache – Der Begriff bildet das Ding.

2. Kultur – Kunst, Mode, Architektur, Schriftstellerei.

3. Soziales – Wie funktioniert das Zusammenleben?

4. Militär – Städte mit 500 Einwohnern, aber millionenstarke Heere?

5. Herrschaftsstrukturen – Legitimation und Ausübung von Macht.

6. Lebensweisen & Gedankenwelten – Moderne Menschen in Mittelaltergewandung?

7. Religion – Der Glaube versetzt Berge.

8. Historie – Wie wurde die Welt zu dem, was sie ist?

9. Technik – Ritterrüstungen und Handlaser?

10. Wechselbeziehungen innerhalb der Welt – Außenpolitik, Technikaustausch, Vertrauen und Misstrauen, Krieg und Frieden.

Meine Technik der Recherche ist es, bereits lange vor dem ersten Wort des Texts Ergebnisse der Recherche zu sammeln, zu katalogisieren und, wenn möglich, zu verbinden. So habe ich beim Schreiben bereits eine recht dezidierte Vorstellung der Welt mit ihren vielen Facetten. Selbstverständlich wird diese während des Schreibens noch erweitert; der kreative Prozess endet ja nicht, ebenso wenig die Recherche.

Ein Punkt, in dem viele Autoren mit mir übereinstimmen ist der, dass Recherche häufig die Ausgangsbasis für neue Ideen und Geschichten ist. Man erfährt etwas spannendes, und plötzlich entwickelt man daraus ein Garn, aus dem man Geschichten spinnen kann. Deshalb betreiben viele ihre Recherche mehr oder wenig durchgängig; man weiß ja nie, wann man auf ein Kleinod stößt, das den Kern einer Idee bilden wird. Wenn ich zum Beispiel bei der Recherche für aktuelle Projekte etwas finde, das mir gefällt aber nicht passt, dann wird das für eine spätere Verwendung festgehalten.

In den nächsten Einträgen über Recherche werde ich mich mit dem Handwerk der Recherche beschäftigen; wo und wie kann man recherchieren, und wie sortiert und speichert man die ganzen Ergebnisse so, dass man sie auch zum richtigen Zeitpunkt wiederfindet.

Trackbacks

  1. Glaubensfragen

    Chris schreibt in seinem Blog seit einiger Zeit eine kleine Artikelserie zum Thema Recherche im Genre Fantasy. Der gestrige Eintrag listet eine Reihe von Grundüberlegung zum Setting der Welt auf, die auch jedem Rollenspieler bekannt sein werden. Was mir b

Kommentare

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  1. kiesow schreibt:

    erstaunlich finde ich immer wieder, das man gerade zu solchen fragen auch sehr viele informationen in den hintergrundbänden von rollenspielen findet. natürlich nicht in jedem system, aber generell gibt es da gerade bei den realistischeren systemen klasse informationen.
    wer hârn(world) und die vielen wirklich guten fanarbeiten dazu kennt, der weiss was ich meine :-) manchmal helfen in regeln gefasstes wissen ziemlich gut dabei, überhaupt erst einmal ein gefühl für vieles zu bekommen.

  2. Chris schreibt:

    Das stimmt. Leider gilt auch das Gegenteil; manche "Hintergrundwerke" sind hoffnungslos mit Fehlern behaftet, oder haben gar nicht den Anspruch, umfassend zu informieren.

    Hârnmaster ist eines meiner gespielten Systeme; neben all den Schwächen hat es einige Strukturen, die mir einfach gut gefallen. Die Hârnworld ist auch ganz witzig, wenn man dieses hohen Grad an Realismus mag.

  3. Stephan schreibt:

    Schöne Liste.
    Ganz wichtig halte ich aber noch die klimatischen Bedingungen und dass man sich die genauen Auswirkungen dessen vor Augen führt. Gibt es unter Umständen regelmäßige Naturkatastrophen, Dürreperioden usw. Vor allem prägen solcherlei Dinge die Kultur enorm.

    Und man sollte sich auch Gedanken über die Zeitrechnung machen. Gerade wenn man Fantasy in einer Fantasy-Welt ansiedelt, die mit der Conans vergleichbar ist. Allerdings fällt ein Kalender dann durchaus auch mal unter der Religion.

  4. USUL schreibt:

    11. Evolution - Anpassung an die Umwelt

    Ich denke das dies noch ein sehr wichtiger umfassender Punkt ist, auf dem man einiges aufbauen kann. "Bei den Trollen" kann sich beispielsweise die Dicke haut dadurch entwickelt haben, dass sie auf Kleidung verzichten und in einer rauhen welt leben, sprich nur jene alt genug werden, die über enorme Wiederstandskraft verfügen.

    zu 1. Sprache:
    Ein schönes Beispiel sind die Inuit, welche dutzende Begriffe für "Schnee" kennen (sollen). Wie sieht das bei den Trollen aus? Kennen sie dutzende Begriffe für "Stein" (hart, rauh, kalt ...) oder Gerüche (süß, lieblich, streng, ...)?


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