Kaffeesatzlesen

In letzter Zeit ist mir wieder einmal aufgefallen, dass es eine sehr schlechte Signal-to-Noise-Ratio im Internet gibt. Vor allem, wenn es um Verlage, die Branche, den Buchmarkt und verwandte Themen gibt. Deshalb ein kleiner Hinweis: nicht alles glauben, was man liest. Kritisch hinterfragen, woher die Informationen kommen, wie sie entstanden sind und ob sie tatsächlich Allgemeingültigkeit besitzen. Das gilt ebenso für Informationen über Verlage, wie für die allgegenwärtigen Schreibregeln oder sonstige Tipps.

Mir scheint, dass es nicht wenige „Experten“ gibt, die bereits vorhandene Fehlinformationen oder simple Mutmaßungen verbreiten, vervielfältigen und untermauern. Aus einem Satz eines Lektors wird ein Gesetz, aus einer allgemeinen Absage eine feste Regel, aus einem Tipp zur Schreibe einige in Stein gemeißelte Tafeln, an deren Inhalt nicht gezweifelt werden darf. Das ist eigentlich recht verständlich; die Branche gibt nur wenig Einblick, Informationsfetzen sind selten und viele Interviews mehr oder weniger frei von nutzbarem Wissen. So kursieren die immer gleichen Gerüchte und Annahmen, so bleibt es beim Kaffeesatzlesen.

Mein Einblick in die Branche ist eher beschränkt, aber ich kann schon einmal eines sagen: es gibt nicht „die Verlage“. Die Mitarbeiter der Verlage, darunter für die Autorin besonders wichtig die Lektoren, sind allesamt auch nur Menschen. Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Meinungen, Erfahrungen. Es sind ganz unterschiedliche Typen, die auch das Büchermachen ganz unterschiedlich betrachten. Es muss nicht einmal in einem Lektorat die gleiche Meinung herrschen. Dazu kommt, dass auch die Interna der einzelnen Verlage unterschiedlich funktionieren. Was in einem Verlag Gang und Gäbe ist, muss im nächsten keineswegs so sein. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, aber man sollte sich nicht darauf verlassen.

Auch Autoren müssen nicht das ultimative Wissen besitzen. Tatsächlich ist das sogar unwahrscheinlich. Viele Autoren arbeiten mit einer klar überschaubaren Anzahl an Verlagsleuten zusammen. Die Branche aber ist groß und durchaus divers. Den besten Überblick werden wohl Agenten und natürlich Lektoren selbst haben; aber genau dieses Know-How ist unter anderem ihr Kapital. Logisch, dass sie das nicht frei verteilen.

Jedes Wissen, auch meines, ist nur eine Momentaufnahme. Dementsprechend sollte man es mit kritischem Blick betrachten und nicht einfach blind jedem vertrauen, der anscheinend mit Wissen um sich wirft. Es gibt die Informationen durchaus, sie sind nur sehr verteilt. Wenn man sich breit informiert, kann man die Quellen gegeneinander abwägen und vielleicht daraus Schlüsse ziehen.

Demnächst werde ich mir in dieser Kategorie Gedanken zum Thema "schreibende Millionäre" oder "millionenschwere Schreiber" machen.

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Kommentare

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  1. Kurt Morak schreibt:

    Interessanter Artikel, Christoph (falls ich dich so nennen darf). Was aber übrigbleibt ist auch wieder wenig Information. Vielleicht hast du das ja beabsichtigt, ;-).

    Wir nicht veröffentlichten Autoren wollen nicht hören dass alles relativ ist und wir kritisch sein sollen und überhaupt das ganze von Verlag zu Verlag unteschiedlich gehandhabt wird. Wir möchten endlich Klartext lesen, Informationen bekommen, die es wert sind solche genannt zu werden. Dass diese nicht gratis zu bekommen sind ist Ansichtssache. Meiner Meinung nach würden klarere Informationen und ein Ende der Geheimniskrämerei dazu führen dass eben Verlage und Agenten nicht mit Fluten von Manuskripten belästigt werden. Wenn ich genau weiss wie das System funktioniert kann ich mich auch optimal darauf einstellen. Ansonsten kann ich nur raten und das führt eben dazu dass man lästig ist und nervt.

    Eine Angelegenheit, die keinem wirklich zugute kommt.

    Veröffentlichte Autoren bilden hier DIE Kontaktquelle. Nein, sie haben nicht ALLE Informationen, aber gerade die wenigen Infos, die sehr wertvoll sind. Soll ich dir sagen in was sich veröffentlichte und unveröffentlichte Autoren voneinander unterscheiden? Sicher nicht in Sachen schreiberische Qualität. Es wäre lächerlich sowas auch nur ansatzweise behaupten zu wollen...

    Es ist einfach die Tatsache dass ein veröffentlichter Autor Zugang zum System des Veröffentlichens und Vermittelns hat. Er redet mit Lektoren und Agenten von Angesicht zu Angesicht...mensch, weisst du was das bedeutet??? Das ist als würde ein Bauer aus dem Auenland mit einem Elbenfürsten quatschen können. So riesig ist die Differenz. NIcht weil Lektoren und Agenten bessere Menschen sind, sondern weil sie unglaublich mächtig und einflussreich sind was das "Machen" von Büchern angeht. Ja, der Autor schreibt Romane, aber ohne dass dafür geworben wird, ohne dass diese Romane in Schaufensterläden reinkommen, ohne dass er dafür Geld kriegt, bleibt und ist er im Grunde genommen gar nix. Er ist nur ein Typ, der irgendwas schreibt, das niemanden interessiert. Vielleicht wird er posthum zum Genie erklärt (Kafka), aber seien wir uns ehrlich, das war ein Ausnahmefall. Sollen die hundertausend BOD Autoren etwa alle in fünfzig Jahren nachträglich in den Olymp gehoben werden? Ich hoffe nicht...stell dir mal vor was das für die Kleinen im Deutschunterricht bedeuten wird!

    DU hast gute Agentinnen. Ehrlich, ich habe am Anfang nur den Kopf geschüttelt als Trolle erschienen ist und mir gedacht: Reihentitel? Unbekannter Autor? Damit ist seine Karriere ruiniert noch ehe sie angefangen hat.

    Irrtum. Scheint als ob die Zeiten vorbei sind wo Reihentitelautoren als Pariahs der Unterhaltungsliteratur galten.

    Cool, nicht?

  2. Chris schreibt:

    Hallo Kurt,

    es war nicht meine Absicht, jegliche Information zu diskreditiern. Ich habe nicht umsonst auf meiner Webage eine Rubrik "Tipps für Autoren", die ich auch halbwegs regelmäßig überarbeite, wenn sich mein Wissenstand ändert. Ich plädoyiere nur für den kritischen Umgang mit Informationen. Natürlich denke ich, dass die Informationen, die ich gebe, korrekt sind. Ich stehe auch gerne Rede und Antwort, wenn der Wissensdurst größer ist und ich helfen kann. Tatsächlich sind Autoren sicherlich eine bessere Informationsquelle, aber z.B. ich als Fantasy-Autor weiß über manch anderes Genre Dinge nur aus zweiter oder dritter Hand. Dafür bilde ich mir ein, einen ganz guten Überblick über mein eigenes Genre zu haben.

    Problematisch wird es dann, wenn Halbwissen kolportiert wird. Das geschieht nicht selten. Gerade die Angewohnheit, aus einem Hinweis eine feste Regel zu machen, finde ich gefährlich; das ist aber weit verbreitet.

    Einige veröffentlichte Autoren teilen ihre Erfahrungen im Netz; das bekannteste Beispiel dürfte Andreas Eschbach sein. Hier kann man ganz gute "Quellenanalyse" betreiben.

    Also: Augen auf und Kopf an, wenn man Informationen bekommt. Eventuell noch ein wenig mehr Recherche betreiben. Es gibt gute Informationen inzwischen an einigen Stellen im Netz.

  3. Stephan schreibt:

    Ich sehe bei unserem Beruf keine großen Unterschiede zu jedem anderen. Außer vielleicht, dass er noch nicht institusionalisiert wurde. Man kann ihn nicht allgemeingültig erlernen, kein "Diplom-Schriftsteller" werden. Das ist eben der Anteil der "Kunst". Der größte Teil ist aber Handwerk, das man erlernen kann. Wie kommt man zu einem Vertrag? Bei mir waren es zwei Faktoren:
    1. Ich war gut vorbereitet (dazu gleich noch mehr)
    2. Glück. Ob Glück hier eine größere oder geringere Rolle spielt, als bei anderen Berufen, vermag ich nicht zu sagen. Im Nachhinein empfand ich es natürlich als RIESEN Glück.

    zu 1.
    Was bedeutet vorbereitet sein? - Es ist viel weniger das Wissen um Schreibregeln, es ist auch nicht zwingend nötig den genauen Ablauf der Industrie, die hinter einem Buch steht, zu kennen und zu durchschauen. Als ich meinen Vertrag bekam war ich in der Form vorbereitet, dass ich mir völlig im Klaren über die Stärken meiner Geschichte war, die Schwächen nach bestem Gewissen ausgemerzt habe. Die richtige Stelle als Leseprobe gewählt hatte. Wusste wohin die Reise führt. Ein klares Konzept. Wer sich bei seinen eigenen Gedanken verhaspelt, der hat einen schweren Stand.
    Ich kannte das "ungeschriebene Gesetz, dass POD's für alle anderen tot sind" und habe es ignoriert :-)
    Man kann so vieles darüber schreiben und letztlich ist es unwichtig.

    Christoph hat leider und gottseidank reicht, wenn er sagt, dass jeder Lektor, jeder Agent und jeder Schriftsteller verschieden sind. Und die Texte sind es auch. Es gibt keine allgemeine Bewertung von Texten und somit kann es auch keine allgemeinen Richtlinien für deren Bewerbung geben. Alles, was man als Autor tun kann, ist die eigenen Erfahrungen wiedergeben. Ob die dann einem anderen von Nutzen sind, das ist eine ganz andere Geschichte.

    Aber ich interessiere mich ja wirklich für den "schreibende Millionäre" Artikel ;-)

  4. Kurt Morak schreibt:

    Danke für die schnellen Antworten! Eines mal vorweg: Ich weiss dass bei unseren Texten nervige Fehler drinnen sind, aber zuimindest für mich spielt das HIER keine Rolle. Mir geht es HIER mehr um die Antworten und weniger um eine perfekte Rechtschreibung und Grammatik. Das sage ich nur weil ich nicht will dass z.b. Christoph nach einem Durchgehen seiner Antwort schockiert erst nach zwei Tagen einen schreiberisch einwandfreien Text abschickt. Bitte das auch bei mir zu berücksichtigen!

    Zu euren Antworten: Ja, ja, und nochmals ja, natürlich habt ihr recht. Aber ich wiederhole: Die unveröffentlichten Autoren brauchen dringendst brauchbares, fast sofort einsatzbereits Wissen. Quellenforschung im Sinne eines theoretischen Backgrounds wie relativ alles ist und inwiefern sich jeder vom anderen unterscheidet ist gut als Basis für Kritik aber für wenig mehr.

    Z.B: Stephan. Es gibt RIESIGE Unterschiede zwischen veröffentlichten Autoren! Bei BOD bist ja auch veröffentlicht, nicht wahr? Bei einem Kleinstverlag ebenfalls...in diesem Fall kriegst du sogar einen Vertrag! Was wirklich wichtig ist und von allen angestrebt wird ist die Veröffentlichung bei einem großen Verlag. Z.B. was die Fantasy angeht bei PIPER oder Heyne.

    Wie funktionieren die? Wie denken die? Von welchen Zielgruppen gehen die aus? Für wen werden z.B. TOLKIENs GESCHÖPFE gemacht? Für den 13jährigen Peter Jackson Begeisterten oder für den 30jährigen Goerge R.R. Martin oder Guy Gavriel Kay erfahrenen Leser? Wie sind die Richtlinien der Reihe? Hat es überhaupt Sinn Autor für die Zielgruppe ab Mitte Zwanzig zu sein?

    Bevor mir jemand Nachdenken über Völlig Belangloses vorwirft: Ich bin 30. Und ich lese keine deutsche Fantasy. Nein, nicht weil sie schlecht ist...deswegen nicht! Aber äh...Trolle und Zwerge? Hä? Der einzige Zwerg, den ich in den letzten Jahren in einem Buch erleben durfte war Tyrion Lannister! Ansonsten lese ich nix über Elben, Zwerge und Trolle!

    Antworten zu diesen Fragen (s.o) würde ich gerne bekommen! Denn momentan frage ich mich beim Schreiben dauernd: Wer soll das kaufen? Bin ich zu brutal? Bin ich zu komplex? Werden die Kids von Tolkiens Geschöpfe das kaufen? Wird der Lektor sowas überhaupt der Runde vorstellen?

    Ich müsste mal einen Agenten kidnappen und ihm bei einer Tasse Kaffee diese Fragen stellen, glaube ich...

  5. Stephan schreibt:

    Hmhmhm.
    Zuerst mal begrüße ich die Nachsicht was Fehler angeht hier im Blog :-D Im Internet bin ich nämlich recht betriebsblind, sprich, ich brauche für Korrekturen einen Ausdruck, den ich mir hier logischerweise nicht mache. Also ich habe damit kein Problem.

    Zu den Unterschieden bei PoD und Kleinverlag kann ich schonmal sagen, dass es kaum vergleichbar ist. PoD ist eben nur die Dienstleistung des Druckens. Im Nachhinein hätte ich das auch selbst machen können in einer kleinen Druckerei und ne ISBN zu bekommen ist auch nicht schwer, sofern man das will. Damals schien es mir eine gute Idee zu sein, heute würde ich jedem, der mehr als ein Hobby aus der Schreiberei machen will, davon abraten.
    Nicht falsch verstehen: Ich schäme mich nicht für die PoD-Veröffentlichung, das nicht. Klar wünschte ich manchmal, dass ich es nicht gemacht hätte und meinen jugendlichen Eifer damals beiseite geschoben und die ganze Sache in Ruhe angegangen wäre. Aber über PoD gibt es schon recht gute Informationsquellen im Internet, darüber müssen wir gar nicht sprechen, denke ich.

    Kleinverlag vs. Großverlag.
    Wieder ein Hmmm. Ich denke die Unterschiede sind gar nicht so groß, wie man das vielleicht glaubt. Außer was die Auflagenhöhe und die Vertriebswege angeht. Der Prozess der Verlagsfindung dürfte der gleiche sein. Ein Kleinverlag muss vor allem das Risiko sehr stark abwägen. Ein großer könnte sich ein Prestige-Projekt leisten, wenn er die Auflage nur gering genug hält. Für die kleinen hängt an jeder Veröffentlichung eine Menge, denke ich. Es kann auch gut sein, dass ich mich irre, dann möge man mich gerne korrigieren. Ich gebe ja schließlich nur meine eigenen Erfahrungen und Meinungen preis.

    Aus dem Austausch mit Christoph glaube ich auch schlussfolgern zu können, dass die Zusammenarbeit sich als sehr ähnlich gestaltet. Ich schreibe meinen Text. In gewissen Abständen spricht man die Ideen mit dem Lektor durch und nachdem ich meine Fassung durch meine Testleser gereicht und überarbeitet habe, geht sie an den Lektor. Dann bekommt man Anmerkungen (je nach der Enge der Zusammenarbeit vorher sind das mehr oder weniger) und wenn ich mein OK gebe, geht es an den Korrektor und danach in Druck.

    Diese ganzen Zielgruppenentscheidungen wirst du nie ganz durchschauen können. Zumindest ist das meine Meinung. Ich schreibe Texte, die ich selbst auch gerne Lese. Ich lese meinen ersten Band bald schon zum fünften Mal und auch wenn das jetzt unheimlich selbstverliebt klingen mag, es macht mir noch immer Spaß. Schreibe ich ausschließlich für mich selbst? - Natürlich nicht, aber ich bin dennoch die erste Instanz, die den Text mögen muss, sonst geht gar nix. Und bei der Suche nach einem Verlag muss man eben immer damit rechnen, dass der eigene Geschmack nicht den des Lektors trifft. Oder eben doch.
    Ich las bis vor zwei Jahren übrigens auch nur englische Fantasy, doch seit der Markt sich da den deutschen Autoren öffnet teste ich die natürlich auch. Und es gibt schon einige Unterschiede, aber die bereichern den Markt ja schließlich.
    Hmm, worauf will ich hinaus, ich verliere gerade den Faden.
    Jedenfalls: Ich denke ein Verleger oder Lektor wird erst prüfen, ob ihm der Text gefällt und danach, wenn er ihn gerne machen würde, macht man sich Gedanken darum, an wen man den Text zielgruppentechnisch richten wird, könnte ich mir vorstellen.

    Ich glaube, dass es unmöglich ist ein Patentrezept für die Verlagssuche zu entwerfen.
    Verlage versuchen auch Zielgruppen zu analysieren und hier und da. Ich denke, dass es gerade im Lesermarkt äußerst schwierig ist da brauchbare Ergebnisse zu bekommen. Und genauso verhält es sich vermutlich auch anders herum, wenn wir Autoren versuchen die Verlagswelt zu durchleuchten und auf einige Fakten runterzubrechen.
    Meiner Meinung nach wird das einfach nicht funktionieren, deshalb kann ich auch keine allgemeingültigen Tipps geben.
    Die besten Tipps sind, dass man sich eine Agentur sucht, bevor man Verlage anschreibt, weil die viel näher am Puls der Verlage sind. Etwas an einen Verlag direkt zu schicken ist bei der Flut an Manuskripten, die da täglich eingehen, einfach ein Glücksspiel mit ganz schlechten Gewinnchancen.
    Aber so sehe nur ich das.

  6. Kurt Morak schreibt:

    [Jedenfalls: Ich denke ein Verleger oder Lektor wird erst prüfen, ob ihm der Text gefällt und danach, wenn er ihn gerne machen würde, macht man sich Gedanken darum, an wen man den Text zielgruppentechnisch richten wird, könnte ich mir vorstellen.]


    Gerade das kommt mir aber - verzeih mir bitte, ich meins nicht persönlich - völlig verkehrt und dumm vor. Das ist als produziere ich etwas und mache mir erst wenn das Produkt da ist Gedanken darüber für wen es eigentlich gedacht ist und beginne erst dann mit der Werbung.

    Ja, Bücher und Geschichten sind immaterielle Produkte und sind deswegen schwer zu "greifen". Sie entfalten ihre Wirkung erst durch die Interaktion mit dem Leser. Erst im Kopf eines Lesers ist eine Geschichte wirklich fertig.

    Aber dennoch ist und bleibt auch sowas ein Produkt. Für bestimmte Leser.

    Dieses "Erst-produzieren-dann-darüber-nachdenken-an-wen-es-gerichtet-ist" habe ich von vielen Autoren gelesen. Z.B. von George R.R. Martin. Aber das ist für mich ein Fehldenken, das dazu führt dass es zu enormen Enttäuschungen kommt.

    [Ich denke, dass es gerade im Lesermarkt äußerst schwierig ist da brauchbare Ergebnisse zu bekommen. Und genauso verhält es sich vermutlich auch anders herum, wenn wir Autoren versuchen die Verlagswelt zu durchleuchten und auf einige Fakten runterzubrechen.
    Meiner Meinung nach wird das einfach nicht funktionieren, deshalb kann ich auch keine allgemeingültigen Tipps geben.
    Die besten Tipps sind, dass man sich eine Agentur sucht, bevor man Verlage anschreibt, weil die viel näher am Puls der Verlage sind. Etwas an einen Verlag direkt zu schicken ist bei der Flut an Manuskripten, die da täglich eingehen, einfach ein Glücksspiel mit ganz schlechten Gewinnchancen.]

    Na super. Aber auch die Agenten jammern tagtäglich dass sie von Manuskript-Tsunamis überspült werden! Und nach welchen Kriterien suchen die Agenten die Autoren aus? Werden Agenten einfach Autoren annehmen die gut schreiben? Was ist überhaupt gut schreiben ? Ich kenne Leute von der Uni, die steif und fest behaupten dass einfach alles was mit Fantasy zu tun hat schlechte Literatur ist! Punkt, aus, Ende der Diskussion! Andere lehnen jegliche Handlung in Büchern ab. Wenn du Leser zu Tränen rühren willst bist du ein schlechter Autor. Ich erzähle hier keine Märchen. Jeder, der ein bisschen Kunsttheorie gemacht hat, weiss welche Thesen momentan populär sind in der Kritikerwelt.

    Christoph Hardebusch kannte seine Angentinnen. Sie waren miteinander bekannt. Das ist schon ein großer Unterschied.

  7. Chris schreibt:

    Hallo Kurt,

    stimmt, wie ich auf meiner Webpage erzähle, hatte ich das große Glück, mit meinen Agentinnen vorher bekannt zu sein.

    Allerdings gilt das für den überwiegenden Teil der Autoren von Schmidt & Abrahams nicht. Es ist die sprichwörtliche Ausnahme. Tatsächlich dürfte es bei anderen Agenturen und Verlagen ebenso selten sein. Daran sollte man sich also besser nicht orientieren.

  8. Manuel Charisius schreibt:

    Hi Kurt,

    besser wär's sicherlich, den Agenten einfach von Deiner Arbeit zu überzeugen.

    Antworten auf die von Dir gestellten Fragen kann man sich übrigens auch leicht selber beschaffen. Klar, es kostet ein bißchen Mühe und Recherchearbeit; frei Haus und kostenlos liefern wird Dir niemand was.
    Wenn ich Dir den Tip geben darf: Geh mal in die Buchhandlungen. Frag die dort Arbeitenden. Und was die nicht wissen, kannst Du u. U. direkt von den Verlagen erfahren, indem Du beispielsweise dort anrufst. Oder Dir, wie gesagt, einen Agenten nimmst, der diese Arbeit für Dich und Dein Manuskript übernimmt.

    Um das Lesen von Verlagsprogrammen - und ja: auch von Fantasyromanen deutscher Autor(inn)en - wirst Du übrigens nicht herumkommen. Es gehört zu solchen Recherchen zwingend hinzu, wie Du feststellen wirst. Und es wird Dir helfen, selbst Antworten auf Deine Fragen zu formulieren.

    Schöne Grüße,
    -Manuel

  9. Christoph Lode schreibt:

    Lieber Kollege,

    ich verfolge diese Diskussion sehr interessiert und möchte Dir danken, dass Du ein Thema ansprichst, dass mich auch seit einer Weile beschäftigt. Was da in manchen Autorenblogs oder in Schreibforen für Informationen über das Verlagswesen kursieren, ist stellenweise schon sehr befremdlich ...
    Man kann da eigentlich nur den Rat geben, dass man bei der Informationssuche vorallem darauf achten sollte, VON WEM eine Information stammt. "Hat die-/derjenige schon veröffenlicht?" und "Arbeitet sie/er schon lange mit Verlagen zusammen?" sind zwei Fragen, die man sich unbedingt stellen sollte, will man die Verlässlichkeit einer Information prüfen.
    Mehr kann man dazu leider nicht sagen, fürchte ich. Denn Wege zum Buch gibt's nach meiner Erfahrung so viele wie Autoren. Und auch Verlagsinternas ändern sich schnell.

    Viele Grüße,

    Christoph Lode

  10. Kurt Morak schreibt:

    Jaja, ich verstehe euch alle schon irgendwie. Aber es ist mir alles zu vage und zu schwammig (ohne euch persönlich jetzt zu nahe treten zu wollen).

    Ja, sicher, das was ich schreibe muss mir auch gefallen. Natürlich sollte ich schon recherchieren was die Verlage veröffentlichen. Aber dieses "schreib was du willst, irgendwie wird es irgendwann höchstwahrscheinlich klappen" ist mir zu wenig präzise und viel zu ungenau und ich glaube kaum dass man mit dieser Methode viel Erfolg hat. Klar, manche haben Glück, aber jene, die kein Glück haben? Die können meiner Meinung nach dieses Glück nur durch Wissen kompensieren. Und dieses Wissen ist sehr wertvoll. Übrigens nicht nur für Autoren sondern auch für Verlage und Angenten. Momentan habe ich das starke Gefühl dass deutsche Verlage sich absichtlich in Geheimniskrämerei hüllen was ihre Wünsche angeht. Und das führt natürlich dazu dass sie überschüttet werden mit unverlangt eingesandten Manuskripten...das ist ein Teufelskreis...

    Manuel: Ich versuche deutsche Fantasyromane zu lesen. Aber...es ist so schwer! Jene, die nicht für Zwölfjährige geschrieben sind wurden anscheinend für Hausfrauen mit einem Faible für Liebesromane produziert. Und für mich als dreissigjährigen Mann ist ist fast schon schmerzhaft sowas zu lesen...was nicht heisst dass diese Fantasyromane "schlecht" sind. Schlecht ist in diesem Zusammenhang ein unpräziser und unsinniger Begriff. Diese Romane scheinen nur nicht für mich als...ja, Zielgruppe, geschrieben worden zu sein! Und natürlich gibt es auch verschiedene Subgenre in der Fantasy...ich glaube kaum dass Du Heroic Fantasy geniessen würdest...und ich habe leider, leider null Bock auf märchenhafte Fantasy.

    Und da wären wir wieder bei Zielgruppen...

    ;(


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