Recherche pt.3

Montag, 18. Juni 2007

Hier habe ich einmal zehn Gebiete aufgelistet, die bei der Erstellung von Welten und einzelnen Kulturen eine Rolle spielen. Die Reihenfolge ist zufällig und nicht wertend. Das sind nur Teile, die mir fix eingefallen sind. Sicherlich gibt es noch mehr zu beachten, aber die Liste verdeutlicht bereits, wie komplex das Thema ist. Die einzelnen Bereiche haben natürlich keine klaren Trennlinien, bedingen sich gegenseitig, stehen in Verbindung, nehmen Einfluss aufeinander.

1. Sprache – Der Begriff bildet das Ding.

2. Kultur – Kunst, Mode, Architektur, Schriftstellerei.

3. Soziales – Wie funktioniert das Zusammenleben?

4. Militär – Städte mit 500 Einwohnern, aber millionenstarke Heere?

5. Herrschaftsstrukturen – Legitimation und Ausübung von Macht.

6. Lebensweisen & Gedankenwelten – Moderne Menschen in Mittelaltergewandung?

7. Religion – Der Glaube versetzt Berge.

8. Historie – Wie wurde die Welt zu dem, was sie ist?

9. Technik – Ritterrüstungen und Handlaser?

10. Wechselbeziehungen innerhalb der Welt – Außenpolitik, Technikaustausch, Vertrauen und Misstrauen, Krieg und Frieden.

Meine Technik der Recherche ist es, bereits lange vor dem ersten Wort des Texts Ergebnisse der Recherche zu sammeln, zu katalogisieren und, wenn möglich, zu verbinden. So habe ich beim Schreiben bereits eine recht dezidierte Vorstellung der Welt mit ihren vielen Facetten. Selbstverständlich wird diese während des Schreibens noch erweitert; der kreative Prozess endet ja nicht, ebenso wenig die Recherche.

Ein Punkt, in dem viele Autoren mit mir übereinstimmen ist der, dass Recherche häufig die Ausgangsbasis für neue Ideen und Geschichten ist. Man erfährt etwas spannendes, und plötzlich entwickelt man daraus ein Garn, aus dem man Geschichten spinnen kann. Deshalb betreiben viele ihre Recherche mehr oder wenig durchgängig; man weiß ja nie, wann man auf ein Kleinod stößt, das den Kern einer Idee bilden wird. Wenn ich zum Beispiel bei der Recherche für aktuelle Projekte etwas finde, das mir gefällt aber nicht passt, dann wird das für eine spätere Verwendung festgehalten.

In den nächsten Einträgen über Recherche werde ich mich mit dem Handwerk der Recherche beschäftigen; wo und wie kann man recherchieren, und wie sortiert und speichert man die ganzen Ergebnisse so, dass man sie auch zum richtigen Zeitpunkt wiederfindet.

Recherche pt.2

Freitag, 1. Juni 2007

Ich poste jetzt einmal als eine Art "Teaser" die Einleitung, die ich für meinen Part des Workshops geschrieben habe. Nach dem Nordcon schreibe ich noch einen Bericht über den Workshop.

Fantasy & Recherche – ein Widerspruch?

These: Immer wieder hört man, dass man für Fantasy nicht recherchieren muss; dass Fantasy nur von der Phantasie begrenzt wird und man alles machen kann. Interessant ist die Beobachtung, dass diese Meinung vor allem von Personen kommt, die entweder mit Fantasy gar nichts zu tun haben (dann ist diese Meinung häufig abwertend gemeint), oder selbst im Genre schreiben, dabei aber unveröffentlicht sind. Koinzidenz? Ich denke nicht.

Wer sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt, wird schon bald merken, dass der Rechercheaufwand für Fantasy keineswegs geringer ist, als für andere Genres. Vielleicht sogar eher das Gegenteil, denn man verlässt die bekannten Pfade komplett und muss im Normalfall eine ganze Welt ausarbeiten. Eine Welt, die nur dann sinnig und stimmig ist, wenn die einzelnen Teile sich zu einem Ganzen zusammenfügen, das manchmal ebenso widersprüchlich wie unsere Welt sein kann, aber doch, genau wie die unsere, in sich geschlossen ist. Und alle diese Teile muss man kennen, wenn man daraus ein Bild erstellen will, das den Leser überzeugen kann.

Im Prinzip erschafft jede Autorin eine eigene Welt, egal in welchem Genre sie schreibt, oder wie nah oder fern sie der uns bekannten Welt bleibt. Denn eine Geschichte ist immer nur ein Abbild der Wirklichkeit, gefiltert durch die Augen und den Geist der Autorin. Aber wer im Hier und Jetzt schreibt, kann sich wenigstens zum Teil auf seine eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen verlassen; jeder, der eine andere Zeit, oder gar eine andere Welt wählt, muss diese erforschen, recherchieren oder sogar erfinden.

Eine Welt ist ein höchst komplexes Ding, voller Wechselwirkungen und Abhängigkeiten, die, mal verborgen und mal offen, den inneren Zusammenhalt des Weltgefüges bilden.