Kaffeesatzlesen

Samstag, 21. Juli 2007

In letzter Zeit ist mir wieder einmal aufgefallen, dass es eine sehr schlechte Signal-to-Noise-Ratio im Internet gibt. Vor allem, wenn es um Verlage, die Branche, den Buchmarkt und verwandte Themen gibt. Deshalb ein kleiner Hinweis: nicht alles glauben, was man liest. Kritisch hinterfragen, woher die Informationen kommen, wie sie entstanden sind und ob sie tatsächlich Allgemeingültigkeit besitzen. Das gilt ebenso für Informationen über Verlage, wie für die allgegenwärtigen Schreibregeln oder sonstige Tipps.

Mir scheint, dass es nicht wenige „Experten“ gibt, die bereits vorhandene Fehlinformationen oder simple Mutmaßungen verbreiten, vervielfältigen und untermauern. Aus einem Satz eines Lektors wird ein Gesetz, aus einer allgemeinen Absage eine feste Regel, aus einem Tipp zur Schreibe einige in Stein gemeißelte Tafeln, an deren Inhalt nicht gezweifelt werden darf. Das ist eigentlich recht verständlich; die Branche gibt nur wenig Einblick, Informationsfetzen sind selten und viele Interviews mehr oder weniger frei von nutzbarem Wissen. So kursieren die immer gleichen Gerüchte und Annahmen, so bleibt es beim Kaffeesatzlesen.

Mein Einblick in die Branche ist eher beschränkt, aber ich kann schon einmal eines sagen: es gibt nicht „die Verlage“. Die Mitarbeiter der Verlage, darunter für die Autorin besonders wichtig die Lektoren, sind allesamt auch nur Menschen. Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Meinungen, Erfahrungen. Es sind ganz unterschiedliche Typen, die auch das Büchermachen ganz unterschiedlich betrachten. Es muss nicht einmal in einem Lektorat die gleiche Meinung herrschen. Dazu kommt, dass auch die Interna der einzelnen Verlage unterschiedlich funktionieren. Was in einem Verlag Gang und Gäbe ist, muss im nächsten keineswegs so sein. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, aber man sollte sich nicht darauf verlassen.

Auch Autoren müssen nicht das ultimative Wissen besitzen. Tatsächlich ist das sogar unwahrscheinlich. Viele Autoren arbeiten mit einer klar überschaubaren Anzahl an Verlagsleuten zusammen. Die Branche aber ist groß und durchaus divers. Den besten Überblick werden wohl Agenten und natürlich Lektoren selbst haben; aber genau dieses Know-How ist unter anderem ihr Kapital. Logisch, dass sie das nicht frei verteilen.

Jedes Wissen, auch meines, ist nur eine Momentaufnahme. Dementsprechend sollte man es mit kritischem Blick betrachten und nicht einfach blind jedem vertrauen, der anscheinend mit Wissen um sich wirft. Es gibt die Informationen durchaus, sie sind nur sehr verteilt. Wenn man sich breit informiert, kann man die Quellen gegeneinander abwägen und vielleicht daraus Schlüsse ziehen.

Demnächst werde ich mir in dieser Kategorie Gedanken zum Thema "schreibende Millionäre" oder "millionenschwere Schreiber" machen.