Autorenrealitäten

Sonntag, 5. August 2007

Manchmal hört man Leute sagen: Ich schreib auch mal ein Buch und werde damit reich. J.K. Rowling, Dan Brown, Stephen King & Co. machen es ja vor. Aber stimmt das? Ist das so einfach?

Ein kleiner Blick hinter die Kulisse schafft vielleicht Klarheit. Aber bitte Vorsicht: Möglicherweise werden ein paar Illusionen zerstört. Die Realität ist manchmal nämlich ganz schön bittere Kost.

Ein Debutant sitzt an seinem Text, schreibt und schreibt, zerbricht sich den Kopf und steckt jede Menge Herzblut, Nerven und Lebenszeit hinein. Dann schickt er das fertige Werk an einen Verlag. Ignorieren wir für den Augenblick die 99,99% der abgelehnten Manuskripte, sondern schauen mal auf den verschwindend geringen Anteil der in einem großen Publikumsverlag veröffentlichten Romane.

Der Verband Deutscher Schriftsteller in der ver.di hat mit den Vertretern einiger Verlage Vergütungsregeln für Autoren belletristischer Werke erarbeitet (zu finden im Normvertrag hier). Eine Art Mindestlohn für Autoren. Ignorieren wir die problematischen Regelungen zu Nebenrechten (ich beziehe mich auf das Abtreten auch noch unbekannter, zukünftiger Rechte), sondern werfen einen Blick auf die Zahlen der direkten Vergütung:

5% vom Nettoladenverkaufspreis bei Taschenbüchern und 10% bei Hardcover-Ausgaben.

Man bekommt normalerweise einen Vorschuss, der einerseits nicht zurückzuzahlen ist, andererseits mit den Tantiemen verrechnet wird. Man kann davon ausgehen, dass der Verlag einen Vorschuss zahlt von dem er annimmt, dass er durch Verkäufe wieder erzielt wird, weswegen wir das auch ignorieren, ebenso wie die Nebenrechte, die zunächst uninteressant sind, da es mir hier vor allem auf einige grundlegende Faktoren ankommt.

Der Nettoladenverkaufspreis ist der endgültige Preis abzüglich 7% Mehrwertsteuer. Ein kurzer Blick auf die jeweiligen Bestsellerlisten des Buchreports lässt mich durchschnittliche Ladenpreise von Taschenbüchern mal bei 8,95€ festlegen, bei Hardcovern nehmen wir großzügig 19,95€. Jeder kann sich jetzt ausrechnen, wie viel ein Autor für ein einzelnes, verkauftes Buch erhält, nämlich circa 0,42€ für ein Taschenbuch und in etwa 1,86€ für ein Hardcover. Trades, oder Quality Paperbacks, wie zum Beispiel die Troll-Bücher es sind, liegen sowohl vom Preis als auch von den Prozenten irgendwo in der Mitte.

Auflagen sind kaum abzuschätzen, da kommt es extrem auf Genre, Bekanntheitsgrad des Autors, Größe des Verlags, Vormerker des Buchhandels und vielerlei Dinge mehr an. Einen Newcomer kann man aber getrost im vierstelligen Bereich ansiedeln. Für nicht gerade wenige Autoren sind Auflagen im fünfstelligen Bereich eher ein Traum. Nehmen wir als Beispiel einmal 5.000 Exemplare, die auch verkauft werden. Ein Taschenbuch-Autor würde Honorare in Höhe von 2.100€ erhalten, ein Hardcover-Autor sage und schreibe 9.300€. Das ist natürlich reines Brutto, vor Abzug aller Steuern, Krankenkassenbeitrage, Unkosten und so weiter.

Reichtum? Villen in St. Tropez? Jetset? Eher nicht. Wenn man Leistung und Vergütung aufrechnet, sieht das ganz anders aus.

Natürlich sind das nur Beispiele. Eine Autorin, die gut im Geschäft ist, vielleicht treue Leser hat, mag höhere Auflagen und bessere Prozente bekommen. Wenn man erst einmal einen Fuß in der Tür hat, gewisse Erfolge nachweisen kann und eventuell in den Verlagen bekannter ist, lässt sich an diesen Zahlen natürlich drehen. Und es gibt die Ausreißer, die Multimillionäre, die weltweit gefeierten Autoren; nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Aber es gibt einen Grund, warum die Mitglieder der Künstlersozialkasse im Schnitt ein geradezu jämmerlich (oder erschreckend?) niedriges Jahreseinkommen haben. Auf den internationalen und/oder monetären Durchbruch zu vertrauen, ist wie Lottospielen. Selbst das simple „vom Schreiben leben können“ ist, je nach eigenem Anspruch, unwahrscheinlich, wie man an den Zahlen leicht sehen kann. Nicht umsonst haben manche auch schon etablierte Autoren noch einen „Brotberuf“, oder sind auf andere Art und Weise abgesichert. Natürlich gibt es hauptberufliche Autoren, sozusagen den schriftstellerischen Mittelstand. Doch der Weg dorthin ist häufig steinig und mühselig.

Dieser Text ist keineswegs zur Abschreckung gedacht, sondern soll lediglich ein paar Zusammenhänge erklären.

Demnächst schreibe ich ein paar Zeilen zum Thema, warum man ohne Verlag kaum auskommen kann, auch wenn die Aufteilung zunächst wenig fair erscheint.