Amazon.com

Dieses Wochenende hat Amazon in den USA einen kapitalen Bock geschossen: sie haben "adult material" aus den Verkaufsrängen entfernt, und damit die Suche nach Artikeln mit vermeintlich erotischem Inhalt deutlich erschwert. Das betraf vor allem schwule und lesbische Literatur, aber nicht nur. Jede Menge Liebesromane der härteren Art wurden ähnlich behandelt, ebenso wie Ratgeber und Sachbücher zu den Themen. Alles in allem war es ein ziemliches Durcheinander, dem auch Titel wie "Lady Chatterly's Lover" zum Opfer fielen ... 80 Jahre nach Erscheinen.

Das führte zu einem Aufschrei im Internet - zu Recht. Laut einem Artikel bei Publishers Weekly sagt Amazon, dass es sich um einen Fehler gehandelt habe. Am Wochenende haben Mitarbeiter von Amazon aber noch anderes behauptet.

Patrick Nielsen Hayden hat eine eigene Theorie, wie das alles passiert ist. Lesenswert sind, wie oft bei Making Light, auch die Kommentare.

Es ist schwer zu sagen, wo die Wahrheit liegt. Akzeptabel ist diese Art der Zensur aber nicht.

EDIT: Auf seattlepi.com gibt es eine Reaktion von Amazon samt Entschuldigung. Dazu noch einige weitere Einblicke und Links zum Thema.

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Kommentare

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  1. Alex Wichert schreibt:

    Ich war die ganze Woche an vorderster Front dabei (meine kleine Gruppe hat das losgetreten) und bisher gibt's weder eine Erklaerung noch eine Entschuldigung von Amazon. Nichts. Ich lasse meine betraechtlichen Buch-Summen dann lieber bei der Konkurrenz - deren PR und gesamtes Management hat meiner Meinung nach versagt.

    Es waren ausserdem fast 57tausend Artikel betroffen - alle, die mit "Sex", "Sexualitaet", "Gay" oder "Lesbian" getagt waren. Darunter massenweise Queer Theory, Buecher ueber Behinderungen, und Selbst-Hilfe Literatur.

  2. Christoph schreibt:

    Ich habe leider erst heute bei Making Light davon gelesen.

    In dem Artikel von Publishers Weekly wird erwähnt, dass eine Amazon Spokesperson es als "glitch" bezeichnet hat, der gerade behoben wird. Keine Ahnung, ob das glaubhaft ist. Die Tatsache, dass es an einem Feiertagswochenende passiert ist, deutet auf einen Fehler hin. Oder den Versucht, es möglichst unbemerkt zu machen, wie die berühmten Friday News Dumps.

    Auf jeden Fall ist es gut, dass die Reaktion entsprechend heftig ausgefallen ist.

  3. Alex Wichert schreibt:

    Guck mal hier:

    http://craigspoplife.blogspot.com/2009/04/my-amazonfail-timeline.html

    Publisher's Weekly hat weitgehend unsere Informationen benutzt - "unsere" heisst die Community Meta_writer und diverse Blogger, die von uns alarmiert wurden.

    Die Faelle Seymor und Marc Probst widersprechen beide der "glitch"-Theorie.

    Das grosse De-Listen (57tausend Buecher) hat zwar jetzt die Aufmerksamkeit erregt, aber wenigstens Seymor/Probst (und einige andere Autoren/Verlage, die sich auf meta_writer gemeldet haben) sind seit Monaten de-listet gewesen und haben keine Verkaeufe mehr gehabt deswegen. Das massenweise De-Listen mag ein "glitch" gewesen sein, aber die vereinzelten Faelle, die wir dokumentiert haben, sprechen eine andere Sprache.

  4. Christoph schreibt:

    Achtung Spekulation: Es scheint so, als ob sie "adult material" schon länger aus dem Ranking nehmen, und dass es jetzt quasi übergesprungen ist. Das würde auch die Antworten des Customer Service am Wochenende erklären: die dachten wohl, es handle sich um das Übliche, nur dass diesmal ganze Kategorien aus dem Ranking genommen wurden.

    Alles in allem eine unschöne Angelegenheit, egal, ob es sich um eine Handvoll oder 57k Bücher handelt.

  5. Alex Wichert schreibt:

    Problem dabei: Kinder/Jugendbuecher, Queer Theory, Autobiographien (Stephen Fry, ja, der ist schwul....) auch betroffen. #amazonfail

  6. Christoph schreibt:

    Ich muss gestehen, dass ich das Wochenende sogar positiv sehen kann: schon vorher wurden anscheinend Artikel mit "adult content" de-ranked, nur in einer Größenordnung, die kaum Reaktionen hervorgerufen hat. Was auch immer der Grund für die 57k-Bücher-Aktion war, sie hat zumindest für eine Menge Aufmerksamkeit geführt, und Amazon wurde dadurch eine recht steife Brise ins Gesicht geblasen.


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