Heidelberger Appell remixed

Nach diversen Diskussionen mit Kollegen und Bekannten habe ich mich entschieden, meine Unterschrift unter dem Heidelberger Appell zurückzuziehen. Ich hatte in letzter Zeit ein deutlich ungutes Gefühl, und die Tatsache, dass ich den Bedarf gesehen habe, das Ganze wortreich zu verteidigen, lag wohl darin begründet. Es ist einigermaßen unangenehm, wenn man erkennt, dass man einen Fehler gemacht hat, aber ich hoffe, dass ich diesen korrigieren kann. Mit mir haben auch einige andere ihre Unterschrift zurückgezogen.

Das bedeutet keinesfalls, dass ich Googles Vorgehen jetzt gutheiße. Die Aktion ist immer noch übel.

Einer der Gründe für meinen Entschluss war die Gesellschaft, in die man sich begeben hat. Nicht wenige Äußerungen von Unterzeichnern haben mir ein Kopfschütteln abverlangt, da dort ein reaktionäres, weltfremdes Verständnis des Internets und der technologischen Veränderungen unserer Zeit zutage kamen. Mir ist bewusst, dass man dafür – hoffentlich! – nicht in Sippenhaft genommen wird, aber dennoch hat es meinen Beschluss bestärkt, mich aus dieser Riege wieder auszutragen.

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Kommentare

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  1. Alex schreibt:

    Meinen tiefen Respekt dafür so einen Schritt auch so offen zu dokumentieren!

    Ich halten den HA auch für den völlig falschen Weg zu reagieren.

  2. Christoph schreibt:

    Na ja, wenn man (halbwegs) öffentlich einen Fehler begeht und diesen erkennt, muss man ihn auch entsprechend beheben. Lieber wäre es mir natürlich, wenn ich von vorneherein auf mein ungutes Gefühl gehört hätte ... ;-)

  3. Sascha Erni, .rb schreibt:

    Hut ab, Christoph. Ich hoffe, weitere Autoren werden Dir folgen.

    „reaktionär“ trifft es recht gut … Man kann auch Google nicht-mögen, ohne die Realität des Internets zu ignorieren.

  4. Christoph schreibt:

    Ach, ich finde Google per se nicht allzu schlimm. Immerhin benutze ich Teile des Portfolios beinahe täglich.

    Als Urheber, in meinem Fall Autor, freundet man sich besser mit der Idee an, dass Mittler nicht unbedingt böse sind. Es ist sehr schwer, als Sender genug Empfänger zu erreichen, und das ist eine Arbeit, die ich ja gar nicht machen will - ich will schreiben. Und natürlich wollen Mittler Geld verdienen; sie erbringen ja auch eine Leistung. Wobei man sich als Urheber natürlich schon fragt, warum in der Kette praktisch alle mehr an einem verkauften Buch verdienen, als man selbst ... ;-)

    Das Internet wird einiges umkrempeln, aber dass es danach keine Vermittler mehr geben wird, halte ich für unwahrscheinlich. Dafür zu sorgen, dass das Angebot auch dorthin gelangt, wo Nachfrage existiert, wird angesichts der Datenflut vielleicht sogar noch wichtiger.

  5. Andrea schreibt:

    Schön, dass das mit dem Austragen tatsächlich funktioniert hat und dein Wunsch nicht einfach ignoriert wurde ;-)

  6. Oliver schreibt:

    Und jetzt: auf zur Piratenpartei!! ;-)

  7. Christoph schreibt:

    Mein Faible gilt eher der maritimen Variante ... ;-)

  8. Manuel schreibt:

    Gerade gestern und heute wurde in der Mittagspause des Bachmannwettbewerbs auf 3sat eine Sendung "kulturzeit extra" ausgestrahlt, in der u.a. Roland Reuß zu Wort kam. Doch nicht nur die dort verlauteten Informationen und Argumente haben mich in meiner früheren Entscheidung, den Appell zu unterschreiben, eher noch bestärkt.

    Ich finde, die "Gesellschaft, in die man sich begeben hat", kann einem herzlich egal sein, wenn man weiß, worum es geht und was der Appell tatsächlich will. ;-)

  9. Andrea schreibt:

    Etwas, mehr oder weniger zum Thema, das ich gerade gefunden habe. Anscheinend wird der Heidelberger Appell dazu genutzt, Ideen zu verbreiten, die für Autoren sogar eher schädlich wären:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30229/1.html

  10. Oliver schreibt:

    Danke für den Link, war sehr interessant!

  11. Gammer93 schreibt:

    kommt denn noch ein weiteres Band nach Zorn der Trolle raus oder nicht???? grüße..

  12. Christoph schreibt:

    Ich habe eine grobe Idee und sammle Einfälle, aber konkrete Pläne gibt es derzeit nicht. Wenn das Buch soweit gereift ist, dass ich denke, es schreiben zu können, werde ich mit dem Verlag darüber reden.


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