Recherche pt.4

Montag, 20. August 2007

Es gibt so einige Möglichkeiten der Recherche. Hier habe ich einmal eine Handvoll aufgezählt.

Das Internet – Risiko Unsicherheit

Auf den ersten Blick bietet das Internet eine ungeahnte Vielzahl an Möglichkeiten für Recherche. Jeder kennt Wikipedia. Aber auf den zweiten Blick sieht man aber manchmal, dass Wissen dort unvollständig oder schlicht falsch ist. Für tiefer gehende Recherche benötigt man häufig mehr. Dennoch kann das Internet ein guter Ausgangspunkt sein, denn dort findet man schnell Gleichgesinnte oder andere Sucher, mit denen man sich austauschen kann. Foren mit Experten – manchmal selbsternannt – können der Recherche den richtigen Weg aufzeigen.

Literatur – Problem Vorwissen

Gerade im akademischen Bereich gibt es jede Menge Literatur, von denen man als Normalsterblicher nie etwas hört. Es kann sehr mühselig sein, die richtigen Sach- und Fachbücher zu finden. Inzwischen gibt es auch im Internet die Möglichkeit, nicht nur aktuelle, sondern auch ältere Werke zu finden und zu erstehen. Museumsläden bieten häufig auch eine gute Auswahl aktueller Werke zu sachbezogenen Themen.
Dazu gibt es immer mal wieder belletristische Werke, die man lesen kann und sollte; entweder, weil sie von Experten geschrieben wurde, oder weil sie einfach fundiert recherchiert sind.
Sehr hilfreich sind natürlich auch Literaturlisten, die man in entsprechenden Werken findet.

Museen – Anschauen, aber nicht Anfassen

In Museen kann man Geschichte weitaus intensiver erleben, als aus einem Buch. Aber nicht nur Geschichte, sondern auch Biologie, Lebensformen, Kunst, Kultur und vieles mehr. Selbst wenn die Exponate nicht direkt in den Text einfließen, so können sie doch großartige Inspirationsquellen sein. Zudem gibt es in Museen fast immer Literatur zum Thema zu erwerben.

Fachleute – Thema Schüchternheit

Auch Experten sind nur Menschen. Häufig haben sie sich einem bestimmten Sachgebiet verschrieben und sind gar nicht so unwillig, ihr Wissen zu teilen. Allerdings sollte man bei Anfragen natürlich den Regeln der Höflichkeit folgen, und nicht eine Umsonst-Mentalität an den Tag legen. Eine Erwähnung in den Danksagungen ist schon einmal ein guter Anfang.

Selbst erleben – Diesmal mit Anfassen

Heutzutage gibt es durchaus einige Möglichkeiten, sich direkt mit Gebieten der Recherche zu befassen. Ein Beispiel wäre es, Schwertkampf zu lernen, um diesen in den eigenen Geschichten besser beschreiben zu können. Viele Museen haben inzwischen Ausstellungen, in denen man aktiv partizipieren kann – sei es, dass man mongolische Gewänder anlegt, oder in einen nachgebauten Grabhügel hinabsteigt. Zu vielen Themen kann man ganz hautnah recherchieren. Aber das ist auch häufig sehr aufwändig, und man muss abschätzen, ob das Ergebnis dem Aufwand gerecht wird.

Wer mehr Tipps hat, kann diese natürlich gerne in den Kommentaren weitergeben.

Recherche pt.3

Montag, 18. Juni 2007

Hier habe ich einmal zehn Gebiete aufgelistet, die bei der Erstellung von Welten und einzelnen Kulturen eine Rolle spielen. Die Reihenfolge ist zufällig und nicht wertend. Das sind nur Teile, die mir fix eingefallen sind. Sicherlich gibt es noch mehr zu beachten, aber die Liste verdeutlicht bereits, wie komplex das Thema ist. Die einzelnen Bereiche haben natürlich keine klaren Trennlinien, bedingen sich gegenseitig, stehen in Verbindung, nehmen Einfluss aufeinander.

1. Sprache – Der Begriff bildet das Ding.

2. Kultur – Kunst, Mode, Architektur, Schriftstellerei.

3. Soziales – Wie funktioniert das Zusammenleben?

4. Militär – Städte mit 500 Einwohnern, aber millionenstarke Heere?

5. Herrschaftsstrukturen – Legitimation und Ausübung von Macht.

6. Lebensweisen & Gedankenwelten – Moderne Menschen in Mittelaltergewandung?

7. Religion – Der Glaube versetzt Berge.

8. Historie – Wie wurde die Welt zu dem, was sie ist?

9. Technik – Ritterrüstungen und Handlaser?

10. Wechselbeziehungen innerhalb der Welt – Außenpolitik, Technikaustausch, Vertrauen und Misstrauen, Krieg und Frieden.

Meine Technik der Recherche ist es, bereits lange vor dem ersten Wort des Texts Ergebnisse der Recherche zu sammeln, zu katalogisieren und, wenn möglich, zu verbinden. So habe ich beim Schreiben bereits eine recht dezidierte Vorstellung der Welt mit ihren vielen Facetten. Selbstverständlich wird diese während des Schreibens noch erweitert; der kreative Prozess endet ja nicht, ebenso wenig die Recherche.

Ein Punkt, in dem viele Autoren mit mir übereinstimmen ist der, dass Recherche häufig die Ausgangsbasis für neue Ideen und Geschichten ist. Man erfährt etwas spannendes, und plötzlich entwickelt man daraus ein Garn, aus dem man Geschichten spinnen kann. Deshalb betreiben viele ihre Recherche mehr oder wenig durchgängig; man weiß ja nie, wann man auf ein Kleinod stößt, das den Kern einer Idee bilden wird. Wenn ich zum Beispiel bei der Recherche für aktuelle Projekte etwas finde, das mir gefällt aber nicht passt, dann wird das für eine spätere Verwendung festgehalten.

In den nächsten Einträgen über Recherche werde ich mich mit dem Handwerk der Recherche beschäftigen; wo und wie kann man recherchieren, und wie sortiert und speichert man die ganzen Ergebnisse so, dass man sie auch zum richtigen Zeitpunkt wiederfindet.

Recherche pt.2

Freitag, 1. Juni 2007

Ich poste jetzt einmal als eine Art "Teaser" die Einleitung, die ich für meinen Part des Workshops geschrieben habe. Nach dem Nordcon schreibe ich noch einen Bericht über den Workshop.

Fantasy & Recherche – ein Widerspruch?

These: Immer wieder hört man, dass man für Fantasy nicht recherchieren muss; dass Fantasy nur von der Phantasie begrenzt wird und man alles machen kann. Interessant ist die Beobachtung, dass diese Meinung vor allem von Personen kommt, die entweder mit Fantasy gar nichts zu tun haben (dann ist diese Meinung häufig abwertend gemeint), oder selbst im Genre schreiben, dabei aber unveröffentlicht sind. Koinzidenz? Ich denke nicht.

Wer sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt, wird schon bald merken, dass der Rechercheaufwand für Fantasy keineswegs geringer ist, als für andere Genres. Vielleicht sogar eher das Gegenteil, denn man verlässt die bekannten Pfade komplett und muss im Normalfall eine ganze Welt ausarbeiten. Eine Welt, die nur dann sinnig und stimmig ist, wenn die einzelnen Teile sich zu einem Ganzen zusammenfügen, das manchmal ebenso widersprüchlich wie unsere Welt sein kann, aber doch, genau wie die unsere, in sich geschlossen ist. Und alle diese Teile muss man kennen, wenn man daraus ein Bild erstellen will, das den Leser überzeugen kann.

Im Prinzip erschafft jede Autorin eine eigene Welt, egal in welchem Genre sie schreibt, oder wie nah oder fern sie der uns bekannten Welt bleibt. Denn eine Geschichte ist immer nur ein Abbild der Wirklichkeit, gefiltert durch die Augen und den Geist der Autorin. Aber wer im Hier und Jetzt schreibt, kann sich wenigstens zum Teil auf seine eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen verlassen; jeder, der eine andere Zeit, oder gar eine andere Welt wählt, muss diese erforschen, recherchieren oder sogar erfinden.

Eine Welt ist ein höchst komplexes Ding, voller Wechselwirkungen und Abhängigkeiten, die, mal verborgen und mal offen, den inneren Zusammenhalt des Weltgefüges bilden.

Recherche pt.1

Dienstag, 6. Februar 2007

Für das neue Projekt habe ich eine größere Bestellung an Sach- und Fachbüchern sowie einigen belletristischen Titeln getätigt.

Aus diesem Anlass ein paar Worte zur Recherche. Für mich persönlich ist Recherche nicht nur wichtig für das Buch, sondern auch eine Freude. Ich stürze mich gerne in neue Themengebiete, wobei mir gerade Historisches sehr liegt und meinen Interessen entgegen kommt.

Ich kenne die „Fantasy muss nicht recherchiert sein“ Fraktion, die sagt, dass man sich einfach alles ausdenken kann. Es ist auch ein häufig von außen herangetragener Vorwurf. Vielleicht ist das bei einigen so. Für mich kann ich das allerdings ganz und gar nicht unterschreiben. Ich benötige Wissen, um die Zusammenhänge und Details schlüssig und logisch zu entwickeln. Ich brauche ein Fundament, auf dem ich meine Ideen platzieren kann.

Wer eine ganze Kultur erschaffen will, sollte besser Ahnung davon haben, wie Kulturen entstehen, sich gegenseitig beeinflussen, sich verändern. Wer neue Wesenheiten im Kopf hat, sollte sich Gedanken machen, wie eine andere Physiognomie die Weltsicht und das Verhalten verändern kann. Oder warum das Aussehen sich so entwickelt hat, welchen Vorteil es bot (wenn es denn Evolution gab, oder wenn eine höhere Macht es so erschaffen hat).

Fantasy orientiert sich häufig an realen Zeitepochen. Sehr beliebt ist das Mittelalter; hier und da auch die Antike. Wenn man also aus diesen Zeiten viele Dinge 1zu1 übernimmt, sollte man etwas darüber wissen, was man da eigentlich benutzt. Warum es so ist, wie es ist. Welche Geschichte es hat, welche Entwicklungen es durchlaufen hat. Welchen kulturellen Hintergrund es gibt, wie es in die Kultur eingebettet ist. Dabei kann es um einfache Dinge wie Kleidung gehen, aber ebenso um so komplexe Fragen wie Herrschaftsstrukturen oder ganze Lebensformen. Vieles ist miteinander verzahnt und vernetzt; herausgerissen aus seiner Umgebung ergibt manches nicht unbedingt einen Sinn.

Deshalb mein Plädoyer für gründliche Recherche. Auf der Basis von Wissen kann meine Phantasie erst richtig abheben; das Wissen ist sozusagen die Start- und Landebahn dafür.

Zum Thema Recherche werde ich mich wohl noch das eine oder andere Mal äußern, da sie mich in nächster Zeit neben den laufenden Projekten vorrangig umtreiben wird