Verlage pt.1

Freitag, 6. Juni 2008

Immer mal wieder fragen angehende Autoren nach Verlagen. Deshalb versuche ich an dieser Stelle, meine Erfahrungen ein wenig zusammengefasst zu präsentieren. Die beziehen sich zum größten Teil auf Phantastik, aber grundlegende Dinge gelten auch für die meisten Bereiche. Im Sachbuchbereich kenne ich mich allerdings nur wenig aus. Es geht hier nur um Verlage im traditionellen Sinn, also solche, die Honorare zahlen. Für BoD, DKZV und dergleichen mehr gelten vollkommen andere Regeln. Auf meiner Webpage habe ich zur Verlagssuche schon ein paar Worte geschrieben. Hier werde ich in einer losen Serie spezifische Fragen beantworten.

Es ist schwierig, Verlage in Gruppen einzuteilen; dennoch wird es immer wieder getan. Großverlage, Publikumsverlage, Kleinverlage und vieles mehr.

Prinzipiell gibt es die großen Publikumsverlage, die ein breites Programm anbieten, und die teilweise in großen Auflagen drucken. Pi mal Daumen geht das im unteren vierstelligen Bereich los, und endet im sechs- oder gar siebenstelligen Bereich. Wobei letzteres nur die absoluten Bestseller erreichen. Bücher aus Publikumsverlagen liegen in jeder Buchhandlung. Viele Publikumsverlage sind Teil großer Verlagsgruppen, wie zum Beispiel Random House (Heyne, blanvalet, Goldmann und viele mehr) oder Bonnier (unter anderem Carlsen, Piper, Thienemann, Ullstein).

Kleinverlage drucken im dreistelligen Bereich, bei erfolgversprechenden Büchern auch im unteren vierstelligen Bereich. Das Hauptproblem der Kleinverlage ist ihre mangelnde Präsenz im stationären Buchhandel. Viele sind auf bestimmte Genres oder Sujets spezialisiert. Nicht selten steht keine Gewinnabsicht, sondern einfach Enthusiasmus dahinter.

Dazwischen gibt es die mittleren Verlage, manchmal auf bestimmte Sparten spezialisiert oder stark regional ausgerichtet. Das Programm ist häufig breiter als bei Kleinverlagen, die Auflagen höher, aber insgesamt niedriger als bei Publikumsverlagen. Auch mittlere Verlage können zu Verlagskonzernen gehören.

Diese Definitionen sind schwammig, die Grenzen fließend. Nicht jedes Buch ist für jeden Verlag geeignet. Man sollte sich über die entsprechenden Verlagsprogramme und Richtlinien für Einsendungen informieren, bevor man sein Werk verschickt. Damit spart man Porto, Zeit und Nerven. Heutzutage lässt sich das bequem im Internet erledigen.

Im nächsten Teil gehe ich näher auf konkrete Fragen zu Verlagen ein.

Aktionsbündnis für faire Verlage

Mittwoch, 23. April 2008



Zum Welttag des Buches haben sich 22 Autorenverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einer gemeinsamen Initiative für mehr Fairness im Verlagsbetrieb zusammengeschlossen. Zu finden ist das ganze hier. Die Pressemitteilung gibt es als .pdf hier.

Weitere Informationen auch in diesem Thread auf dem Autorenforum Montségur.

Die Liste der Unterzeichner und Unterstützer liest sich jedenfalls beeindruckend:

Unterzeichner am 23. April 2008

42erAutoren e.V.
AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz
Autorenforum Spruchreif
Autorinnenvereinigung e.V.
Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. (BVjA)
Deutsch-Schweizer PEN-Zentrum
Fördererkreis deutscher Schriftsteller in Niedersachsen und Bremen e.V.
Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V.
Freier Deutscher Autorenverband – Landesverband Baden-Württemberg
IG Autoren Autorinnen (IGAA)
Das Literatur-Café
Die Kogge – Europäische Autorenvereinigung Minden e.V.
LesArt e.V.
Lese-Zeichen e.V. - Förderverein des Verbandes Deutscher Schriftsteller, Landesverband Thüringen
Montségur Autorenforum
Mundartgesellschaft Württemberg
Quo Vadis – Arbeitskreis Historischer Roman
Salzburger Autorengruppe
Syndikat – Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur
Übersetzergemeinschaft – Austrian Association of Literary and Scientific Translators
Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di
Werkkreis Literatur der Arbeitswelt e.V.


Wir schließen uns diesen Unterzeichnern an

Bremer Literaturkontor
Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V.
Fehrs-Gilde
Gesellschaft für niederdeutsche Sprachpflege, Literatur und Sprachpolitik e.V.
Gesellschaft für Literatur in Nordrhein-Westfalen e.V.
Frank Wedekind-Gesellschaft e.V.
Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Johannes-Bobrowski-Gesellschaft e.V.
jugendstil – Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW -Träger: Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur NRW e.V.
Literarische Gesellschaft e. V.
Literaturbüro Freiburg – Literatur Forum Südwest e.V.
Literaturhaus Berlin
Literaturhaus Salzburg
Literaturhaus Wien - Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur
Literaturwerkstatt Berlin
Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V.

Gärtnerarbeit am Baum der Fantasy

Mittwoch, 9. April 2008

Nachdem ich die Artikel ein wenig habe sacken lassen, möchte ich nun einige Gedanken ausformulieren. Kai Meyers Worte erschienen mir zunächst recht eingängig, aber dann fiel mir auf, dass er etwas vergessen hat. Lustigerweise sich selbst.

Aber auch Markolf Hoffmann, Christoph Marzi, Tobias O. Meißner, Heide Solveig Göttner, Tom Finn, James A. Sullivan, Richard Schwartz/Carl A. DeWitt, Michael Peinkofer, Boris Koch, Daniela Knor, André Wiesler, Stephan R. Bellem, Monika Felten, Brigitte Melzer, Nina Blazon, Uschi Zietsch, Susanne Gerdom, Karl-Heinz Wiitzko, Alfred Bekker, Ju Honisch, Philipp Bobrowski, Falko Löffler, Sabine Wassermann und Oliver Plaschka. Und das sind nur Namen, die mir spontan einfallen, und die zum größten Teil bei größeren Verlagen veröffentlichen. Wenn man kurz recherchiert, wird man noch viel mehr Autoren und Autorinnen finden. Das Spektrum der Bücher reicht von Mainstream bis hin zu unkonventionellen Geschichten. Und dabei sind Wolfgang Hohlbein, Kai Meyer, Cornelia Funke, Markus Heitz, Bernhard Hennen, Ralf Isau und andere Größen gar nicht erwähnt; ebenso wenig die Autoren, die sich in der Kurzgeschichten-Szene tummeln und diese aufmischen. Oder der Bereich Jugendbuch, ganz modern auch Young Adult genannt, mit dem ich nur wenig Berührungspunkte habe.

Es ist noch nicht so lange her, da haben deutsche Verlage neuen deutschen Fantasyautoren dazu geraten, sich englische Pseudonyme zu zulegen, weil kaum jemand Fantasy aus Deutschland gekauft hat. Das vergessen die Fans vielleicht ganz gerne, weil es heutzutage anders ist. In den wenigen Jahren hat sich einiges verändert; vielleicht sind sogar längerfristige Veränderungen darunter. Aber dass sich nicht in fünf, sechs Jahren eine großartige Tradition herausbilden kann, sollte klar sein.

Bis in dieses Jahrtausend wurde Fantasy in Deutschland von wenigen Akteuren bestimmt, dazu gab es vielleicht noch die erfolgreichen Rollenspielserien. Es wurden Versuche gestartet, auch deutsche Fantasy zu etablieren. Leider wurden diese nur selten angenommen. Geändert hat sich das im großen Stil erst vor fünf, sechs Jahren. Die oben genannten Autoren bieten aktuell eine Fülle, die es noch nicht lange gibt.

Außerdem ist es reichlich unwahrscheinlich, dass die nächste Generation Fantasyleser und –schreiber sich nur an deutschen Büchern orientiert. Sie wächst gerade in einer Zeit heran, in der es mehr Fantasy gibt, als jemals zu vor. Von den Klassikern bis hin zu aktuellen Büchern. Fantasy aus ganz verschiedenen Ländern, aus unterschiedlichen Erzähltraditionen. Der Jugendbuchbereich allein ist voller Fantasy und Phantastik. Das aktuelle Angebot an Übersetzungen ist gewaltig, und die Fantasy wächst weiter stark.

Aber natürlich hat Kai Meyer recht, wenn er sagt, dass die deutsche Fantasy eigene Traditionen herausbilden soll und muss. Aber das, was ich jetzt mal als „neuere deutsche Fantasy“ bezeichne, ist eben genau dieses: sehr neu. Man sollte nicht vergessen, dass „Die Zwerge“ erst fünf Jahre alt ist.

Mein Fazit ist, dass ich Kai Meyers Gedanken gut nachvollziehen kann, aber relativ sicher bin, dass die geforderten Abfahrten der Autobahn entstehen werden.

Postskriptum: Man verzeihe mir, dass ich die Autoren nicht alle verklinkt habe. Das ist sehr mühsame Arbeit. Ich kann nur empfehlen, einfach mal im Netz nach ihnen zu stöbern. Hinweise auf weitere Autoren sehr gerne in den Kommentaren. Je größer die Sammlung, desto besser.

Verlinkungen pt.1

Dienstag, 18. März 2008

Zu jeder Buchmesse erinnern sich die Medien plötzlich wieder an ihr Geschwister Buch; in Zeitungen häufen sich Artikel zum Thema Buch und Buchmarkt, und selbst das sonst eher ferne Fernsehen zeigt Berichte.

Zwei Artikel sind mir in den letzten Tagen aufgefallen. Zum einen in der Zeit: "Buchmesse: "Das Buch ist wieder Leitmedium". Offenbar geht es der Branche derzeit wieder recht gut. Interessant darin besonders für Fantasyleser ist der Absatz "Alle wollen Fantasy".

Der andere Artikel heißt "Wovon lebst du eigentlich?" und ist in der Frankfurter Rundschau erschienen. Er illustriert einige Punkte, die ich schon in dem Eintrag hier angesprochen hatte.

Als kleinen Nachtrag noch diesen Link. Er gibt Hinweise, wie man dubiose Literaturagenturen erkennt.

Cover

Mittwoch, 12. März 2008

Um Cover entbrennen nicht selten farbige Diskussionen. Oft wird man als Autor gefragt, ob man Einfluss auf die Covergestaltung hat. Die kurze, und in den meisten Fällen zutreffende Antwort lautet: nein.

Aber es gibt auch eine lange Version. Gerade in der Fantasy und der SF wurden lange Zeit keine eigenen Cover gefertigt, sondern einfach einschlägige Bilddatenbanken benutzt. Das ist ein wenig wie in der Werbung; auch da wird keineswegs immer ein teures Shooting gemacht, sondern nicht selten ein bereits existierendes Bild von einer darauf spezialisierten Firma eingekauft, beziehungsweise die Nutzungsrechte erworben. Je mehr diese eingeschränkt sind – zum Beispiel räumlich oder zeitlich – desto kostengünstiger wird das Ganze. Wer einmal eine solche Bilddatenbank sehen möchte, kann zum Beispiel bei Getty Images vorbeischauen.

Wer kennt sie also nicht, die absolut nicht zum Inhalt des Buches passenden Cover mit den muskelbepackten, schwertschwingenden, Fellwindeln tragenden Barbaren? Diese Bilder sind tausendfach vorhanden und dabei relativ billig. Für ein Buch, das sich nur einige tausend Mal verkauft, wenn überhaupt, lohnt es sich kaum, ein Cover für einen vierstelligen Betrag erstellen zu lassen. Deshalb hat eigentlich jeder Fantasy- und SF-Leser Cover dieser Art im Regal stehen.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Fantasybücher haben heutzutage höhere Auflagen. Immer mehr Cover werden extra für Bücher angefertigt. Nicht jedes davon muss eine Originalzeichnung sein; manche Cover werden auch einfach nur designed oder mit verfremdeten Bildern versehen. Und wenn die Cover direkt für das Buch hergestellt werden, besteht natürlich eine Möglichkeit, dass der Autor darauf Einfluss nehmen kann. Zum Beispiel werden mir zu den Sturmwelten-Roman die Coverentwürfe in verschiedenen Stadien gesandt, die ich dann kommentiere. Meine Anmerkungen fließen in die nächste Version ein. Das ist allerdings eher eine Ausnahme; zumeist werden die Cover ohne Einbeziehung der Autoren gestaltet. Natürlich gibt es auch diejenigen, die sogar ihre eigenen Cover erstellen. Thomas Thiemeyer ist so einer, allerdings ist er auch ein bekannter Graphiker, der bereits vorher Buchcover gemacht hat.

Häufig gibt es abfällige Bemerkungen über Covertrends. Aktuell wird gerne über Waffen gelästert, die viele Fantasyromane zieren. Dazu kann ich nur sagen, dass viele dieser Cover auf einem hohen künstlerischen Niveau sind, extra für die Bücher angefertigt werden und somit häufig Bezug zum Inhalt haben, und noch dazu die Verlage eine gar nicht kleine Stange Geld kosten. Mir ist eine Waffe weitaus lieber, als ein 80er-Jahre-Conan-Verschnitt – obwohl ich den ersten Conan-Film liebe. Aber alles in allem ist natürlich Vielfalt vorzuziehen, und momentan denke ich, dass die Leser sich da jede Menge unterschiedlicher und schöner Cover zur Auswahl haben. Es hat sich im neuen Jahrtausend einiges bei den Covern getan, und ich hoffe, dass diese Entwicklung weiter anhält. Es wird immer Nachzügler und Nachahmer geben, weil Cover nun einmal das erste sind, was man in der Buchhandlung sieht. Aber ich denke, dass insgesamt der richtige Weg eingeschlagen wurde.

Standardabsage

Dienstag, 23. Oktober 2007

Absagen gehören zum Leben einer Autorin einfach dazu. Nur sehr selten führt ein Weg daran vorbei. Für die Autorin ist sicherlich ärgerlich, dass der Großteil der Absagen aus vorformulierten Standards besteht, die wenig aussagekräftig sind. Immer wieder kommt die Frage auf, was die Absage zu bedeuten habe, und ob man zwischen den Zeilen etwas lesen könne.

Die kurze Antwort ist: nein. Die Absage sagt nur eines aus, nämlich dass der Verlag oder die Agentur kein Interesse hat. Und in den meisten Fällen wird niemand die Absage begründen wollen, weil das manchmal zu Diskussionen führen mag, die unerquicklich und sinnlos sind, aber die Zeit von Agenten und Lektoren kosten. Ich habe mal mit einer Lektorin gesprochen, dir mir erzählt hat, dass sie zu Beginn ihrer Karriere manchmal Absagen begründet hat. Aber anscheinend waren die Reaktionen teilweise so unangenehm, dass sie inzwischen komplett darauf verzichtet.

Für die Autorin ist der beste Rat, dass man die Standardabsage einfach als das nehmen sollte, was sie ist, und nicht als ein Rätsel, das gelöst werden kann. Das ist unangenehm, aber unabänderlich.

Creative-Commons-Lizenz

Samstag, 6. Oktober 2007

Cory Doctorow schreibt SF. Wie er hier im Locus Magazine erklärt, veröffentlicht er seine Bücher neben der traditionellen Printversion auch kostenfrei unter einer CC-Lizenz (unter eine Version der CC-Lizenzen fallen übrigens auch die Einträge in diesem Journal - siehe rechts unten) in digitaler Form, sprich als Ebook. In seinem Artikel erklärt er ausführlich das Warum und das Wie, und liefert einige interessante Argumente dafür. So weit, so gut. Jetzt veröffentlicht Heyne Cory Doctorows Roman "Down and Out" unter dem Titel "Backup" in Deutschland. Und zusätzlich gibt es auch die deutsche Ebook-Version kostenfrei unter einer CC-Lizenz, wie der Autor hier vermeldet.

Klingt nach Science Fiction.

Eine absolut spannende Sache. Wie ich schon einmal erwähnte, bin ich bei Ebooks bislang skeptisch. Mir selbst bringen sie wenig. Aber in dieser Form finde ich sie weitaus besser. Ich bin sehr gespannt, ob und wie sich das entwickelt.

Autoren – Agenturen – Verlage

Mittwoch, 19. September 2007

Zu Agenturen habe ich mich bereits einmal in diesem Eintrag geäußert. Diesmal möchte ich kurz auf Verlage eingehen. In meinem letzten Eintrag zum Thema Buchmarkt habe ich geschrieben, dass Autoren nur schwer ohne Verlag auskommen können. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Der erste und sicher einleuchtende Grund ist simpel finanzieller Natur. Verlage übernehmen die Kosten und das Risiko des Veröffentlichens. Sie gehen in Vorleistung (Verlag kommt wohl von „Vorlegen“, also Geld vorstrecken), sie bezahlen den Autor erst einmal verkaufzahlenunabhängig, sie finanzieren all die Schritte, die erst zum fertigen Buch führen (Lektorat, Korrektorat, Satz, Druck und dergleichen). Heutzutage, im digitalen Zeitalter, weicht das ein wenig auf; es gibt inzwischen Möglichkeiten für Autoren, all diese Dinge selbst und mit geringerem finanziellen Aufwand zu erledigen. Book-on-Demand-Anbieter zum Beispiel ermöglichen es, Bücher auch ohne allzu große Investitionen – finanziell wohlgemerkt, Zeit und Herzblut muss man immer noch einbringen – selbst zu verlegen. Durch die Print-on-demand-Technologie ist es möglich, auch ohne große Auflagen zu arbeiten. Trotzdem muss man auch hier erst einmal bezahlen, anders als bei einem Verlag. Der Unterschied zwischen Geld verdienen und Geld ausgeben dürfte jedem bewusst sein. Zudem ist es bei PoD und kleinen Auflagen nur schwer möglich, mit den Preisen großer Verlage mitzuhalten, die durch große Auflagen die Kosten pro Buch geringer halten können.

Der zweite Grund ist aber tatsächlich wichtiger: Ein Buch muss zum Leser gelangen, beziehungsweise potentielle Leser müssen darauf aufmerksam werden. Das beste Buch wird nicht gelesen, wenn niemand davon weiß. Und hier bieten Verlage im herkömmlichen Sinne das, was ein einzelner Autor kaum leisten kann und der Dienstleistungsverlag nicht leisten braucht, da er bereits am Buch verdient, ohne es verkaufen zu müssen. Sie haben ein Vertriebsnetz und Vertreter, die ihre Programme den Buchhändlern vorstellen. Sie sind bei den Barsortimentern gelistet, ihre Bücher stehen in den Buchhandlungen, sind jederzeit verfügbar. Im Idealfall werden sie zusätzlich noch beworben, stehen prominent in den Vorschauen, und es werden Lesungen und Events organisiert.

Jetzt könnte man denken, dass es mittels Internet jedem möglich ist, Bücher zu verkaufen. Prinzipiell gibt es diese Möglichkeit zwar, doch momentan läuft der Löwenanteil der Buchverkäufe noch immer über den stationären Buchhandel. Ein Buch, das nicht in Buchläden vertreten ist, wird sich im Normalfall deutlich schlechter verkaufen. Möglicherweise wird sich das in Zukunft ändern, aber die aktuelle Situation ist eindeutig. Und auch im Netz muss ein Titel erst einmal beworben und verlinkt sein, um Aufmerksamkeit zu generieren, denn Hand auf´s Herz: Kaum ein Leser findet durch Zufall einen unbekannten Titel, so wenig wie ein unbekanntes Blog oder die Website der "Dithyramben-Freunde Almenhof-Süd e.V.".

Natürlich ist nicht alles Schwarz oder Weiß. Nicht jedes Buch eines Publikumsverlags steht in jeder Buchhandlung, manche Selbstverleger hingegen sind in einigen Buchhandlungen präsent. Aber das Vertriebsnetz und das Marketing der Publikumsverlage ist ihr unschlagbarer Vorteil. Viele seriöse und engagierte Kleinverlage können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, bei den einschlägigen Barsortimentern zu landen und im Buchhandel präsent zu sein.

Jeder kann das selbst überprüfen. Einfach einen Blick ins Buchregal werfen, und sehen, wie viele Bücher man von Publikumsverlagen besitzt, und wie viele von Kleinverlagen, Selbstverlegern, BoD-Anbietern und so weiter.

Autorenrealitäten

Sonntag, 5. August 2007

Manchmal hört man Leute sagen: Ich schreib auch mal ein Buch und werde damit reich. J.K. Rowling, Dan Brown, Stephen King & Co. machen es ja vor. Aber stimmt das? Ist das so einfach?

Ein kleiner Blick hinter die Kulisse schafft vielleicht Klarheit. Aber bitte Vorsicht: Möglicherweise werden ein paar Illusionen zerstört. Die Realität ist manchmal nämlich ganz schön bittere Kost.

Ein Debutant sitzt an seinem Text, schreibt und schreibt, zerbricht sich den Kopf und steckt jede Menge Herzblut, Nerven und Lebenszeit hinein. Dann schickt er das fertige Werk an einen Verlag. Ignorieren wir für den Augenblick die 99,99% der abgelehnten Manuskripte, sondern schauen mal auf den verschwindend geringen Anteil der in einem großen Publikumsverlag veröffentlichten Romane.

Der Verband Deutscher Schriftsteller in der ver.di hat mit den Vertretern einiger Verlage Vergütungsregeln für Autoren belletristischer Werke erarbeitet (zu finden im Normvertrag hier). Eine Art Mindestlohn für Autoren. Ignorieren wir die problematischen Regelungen zu Nebenrechten (ich beziehe mich auf das Abtreten auch noch unbekannter, zukünftiger Rechte), sondern werfen einen Blick auf die Zahlen der direkten Vergütung:

5% vom Nettoladenverkaufspreis bei Taschenbüchern und 10% bei Hardcover-Ausgaben.

Man bekommt normalerweise einen Vorschuss, der einerseits nicht zurückzuzahlen ist, andererseits mit den Tantiemen verrechnet wird. Man kann davon ausgehen, dass der Verlag einen Vorschuss zahlt von dem er annimmt, dass er durch Verkäufe wieder erzielt wird, weswegen wir das auch ignorieren, ebenso wie die Nebenrechte, die zunächst uninteressant sind, da es mir hier vor allem auf einige grundlegende Faktoren ankommt.

Der Nettoladenverkaufspreis ist der endgültige Preis abzüglich 7% Mehrwertsteuer. Ein kurzer Blick auf die jeweiligen Bestsellerlisten des Buchreports lässt mich durchschnittliche Ladenpreise von Taschenbüchern mal bei 8,95€ festlegen, bei Hardcovern nehmen wir großzügig 19,95€. Jeder kann sich jetzt ausrechnen, wie viel ein Autor für ein einzelnes, verkauftes Buch erhält, nämlich circa 0,42€ für ein Taschenbuch und in etwa 1,86€ für ein Hardcover. Trades, oder Quality Paperbacks, wie zum Beispiel die Troll-Bücher es sind, liegen sowohl vom Preis als auch von den Prozenten irgendwo in der Mitte.

Auflagen sind kaum abzuschätzen, da kommt es extrem auf Genre, Bekanntheitsgrad des Autors, Größe des Verlags, Vormerker des Buchhandels und vielerlei Dinge mehr an. Einen Newcomer kann man aber getrost im vierstelligen Bereich ansiedeln. Für nicht gerade wenige Autoren sind Auflagen im fünfstelligen Bereich eher ein Traum. Nehmen wir als Beispiel einmal 5.000 Exemplare, die auch verkauft werden. Ein Taschenbuch-Autor würde Honorare in Höhe von 2.100€ erhalten, ein Hardcover-Autor sage und schreibe 9.300€. Das ist natürlich reines Brutto, vor Abzug aller Steuern, Krankenkassenbeitrage, Unkosten und so weiter.

Reichtum? Villen in St. Tropez? Jetset? Eher nicht. Wenn man Leistung und Vergütung aufrechnet, sieht das ganz anders aus.

Natürlich sind das nur Beispiele. Eine Autorin, die gut im Geschäft ist, vielleicht treue Leser hat, mag höhere Auflagen und bessere Prozente bekommen. Wenn man erst einmal einen Fuß in der Tür hat, gewisse Erfolge nachweisen kann und eventuell in den Verlagen bekannter ist, lässt sich an diesen Zahlen natürlich drehen. Und es gibt die Ausreißer, die Multimillionäre, die weltweit gefeierten Autoren; nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Aber es gibt einen Grund, warum die Mitglieder der Künstlersozialkasse im Schnitt ein geradezu jämmerlich (oder erschreckend?) niedriges Jahreseinkommen haben. Auf den internationalen und/oder monetären Durchbruch zu vertrauen, ist wie Lottospielen. Selbst das simple „vom Schreiben leben können“ ist, je nach eigenem Anspruch, unwahrscheinlich, wie man an den Zahlen leicht sehen kann. Nicht umsonst haben manche auch schon etablierte Autoren noch einen „Brotberuf“, oder sind auf andere Art und Weise abgesichert. Natürlich gibt es hauptberufliche Autoren, sozusagen den schriftstellerischen Mittelstand. Doch der Weg dorthin ist häufig steinig und mühselig.

Dieser Text ist keineswegs zur Abschreckung gedacht, sondern soll lediglich ein paar Zusammenhänge erklären.

Demnächst schreibe ich ein paar Zeilen zum Thema, warum man ohne Verlag kaum auskommen kann, auch wenn die Aufteilung zunächst wenig fair erscheint.

Kaffeesatzlesen

Samstag, 21. Juli 2007

In letzter Zeit ist mir wieder einmal aufgefallen, dass es eine sehr schlechte Signal-to-Noise-Ratio im Internet gibt. Vor allem, wenn es um Verlage, die Branche, den Buchmarkt und verwandte Themen gibt. Deshalb ein kleiner Hinweis: nicht alles glauben, was man liest. Kritisch hinterfragen, woher die Informationen kommen, wie sie entstanden sind und ob sie tatsächlich Allgemeingültigkeit besitzen. Das gilt ebenso für Informationen über Verlage, wie für die allgegenwärtigen Schreibregeln oder sonstige Tipps.

Mir scheint, dass es nicht wenige „Experten“ gibt, die bereits vorhandene Fehlinformationen oder simple Mutmaßungen verbreiten, vervielfältigen und untermauern. Aus einem Satz eines Lektors wird ein Gesetz, aus einer allgemeinen Absage eine feste Regel, aus einem Tipp zur Schreibe einige in Stein gemeißelte Tafeln, an deren Inhalt nicht gezweifelt werden darf. Das ist eigentlich recht verständlich; die Branche gibt nur wenig Einblick, Informationsfetzen sind selten und viele Interviews mehr oder weniger frei von nutzbarem Wissen. So kursieren die immer gleichen Gerüchte und Annahmen, so bleibt es beim Kaffeesatzlesen.

Mein Einblick in die Branche ist eher beschränkt, aber ich kann schon einmal eines sagen: es gibt nicht „die Verlage“. Die Mitarbeiter der Verlage, darunter für die Autorin besonders wichtig die Lektoren, sind allesamt auch nur Menschen. Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, Meinungen, Erfahrungen. Es sind ganz unterschiedliche Typen, die auch das Büchermachen ganz unterschiedlich betrachten. Es muss nicht einmal in einem Lektorat die gleiche Meinung herrschen. Dazu kommt, dass auch die Interna der einzelnen Verlage unterschiedlich funktionieren. Was in einem Verlag Gang und Gäbe ist, muss im nächsten keineswegs so sein. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, aber man sollte sich nicht darauf verlassen.

Auch Autoren müssen nicht das ultimative Wissen besitzen. Tatsächlich ist das sogar unwahrscheinlich. Viele Autoren arbeiten mit einer klar überschaubaren Anzahl an Verlagsleuten zusammen. Die Branche aber ist groß und durchaus divers. Den besten Überblick werden wohl Agenten und natürlich Lektoren selbst haben; aber genau dieses Know-How ist unter anderem ihr Kapital. Logisch, dass sie das nicht frei verteilen.

Jedes Wissen, auch meines, ist nur eine Momentaufnahme. Dementsprechend sollte man es mit kritischem Blick betrachten und nicht einfach blind jedem vertrauen, der anscheinend mit Wissen um sich wirft. Es gibt die Informationen durchaus, sie sind nur sehr verteilt. Wenn man sich breit informiert, kann man die Quellen gegeneinander abwägen und vielleicht daraus Schlüsse ziehen.

Demnächst werde ich mir in dieser Kategorie Gedanken zum Thema "schreibende Millionäre" oder "millionenschwere Schreiber" machen.

Kobra, übernehmen sie

Montag, 14. August 2006

Die wundersame Welt des Buchmarktes hat schon so manchen überfordert. Es fallen seltsame Begriffe wie Barsortimenter, Kollationieren, Mischkalkulation und vielerlei lustige Dinge mehr. Derjenige, der einfach nur ein Buch geschrieben hat und dieses gerne in gedruckter Form sehen würde, hat natürlich vom Literaturgeschäft wenig Ahnung. Deshalb kommen wir jetzt zum Thema dieses Eintrags, das viele angehende Autoren beschäftigt: Literaturagenten. Denn diese haben naturgemäß das beim Autor vielleicht fehlende Wissen und versprechen, dieses gewinnbringend einzusetzen.

Sind die notwendig? Was machen die eigentlich? Was kosten die? Sind das echte Menschen oder Buchverkaufsroboter? Alles häufig gestellte Fragen. Ich beantworte diese mal aus meiner Sicht. Ohne meine Literaturagentur Schmidt & Abrahams GbR würde ich wohl kein Autorenjournal führen, weil ich vermutlich kein Buch veröffentlicht hätte; schon gar keinen Bestseller.

Literaturagenten haben Kontakte in den Lektoraten der Verlage. Sie kennen die Lektoren, das Programm und den Verlag. Sie wissen, wo man welches Manuskript wie anbieten sollte. Sie erreichen, dass einem Manuskript Aufmerksamkeit geschenkt wird, da sie für die Verlage eine Art Filterfunktion erfüllen. Ein Agent, der auf seinen Ruf achtet, wird einem Verlag keine schlechten Manuskripte senden. Deshalb sind Einsendungen durch Agenturen eher von Interesse für Verlage. Zudem agieren Agenten als Puffer zwischen Autor und Verlag, sie geben Informationen in beide Richtungen weiter und leiten so manches Mal eine Zusammenarbeit ein. Und sie übernehmen die Vertragsverhandlungen, im besten Fall können Agenten sogar eine Versteigerung durchführen, bei der verschiedene Verlage für ein Manuskript bieten. Durch ihr Wissen können Literaturagenten bessere Konditionen für den Autor verhandeln. Eine seriöse Agentur wird irgendwas zwischen 10% und 20% von den Einnahmen des Autors verlangen. Natürlich nur bei erfolgreichem Abschluss eines Vertrags, keinesfalls im Voraus. Da man vermutlich bessere Verträge bekommt (oder gar: überhaupt Verträge), lohnt sich das für den Autor dennoch. Agenturen binden Autoren gerne für längere Zeit, wenn diese den nötigen Einsatz zeigen, deshalb sollte die Chemie zwischen Autor und Agent stimmen. Außerdem sind manche Agenturen auf bestimmte Genres spezialisiert; man sollte darauf achten, wenn man sich bewirbt.

Für mich war und ist die Agentur ein Segen. Weil sie mir erlaubt, mich auf das zu konzentrieren, was mir Spaß macht, nämlich das Schreiben. Ich kann darauf vertrauen, dass für mich die besten Verträge ausgehandelt werden und dass der Agentur meine Arbeit und mein Erfolg ebenso wichtig sind, wie mir selbst.

Literaturagenturen sind in anderen Ländern noch üblicher als in Deutschland. Aber auch hier sind sie stark im Kommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Lektorate eher verkleinert werden und so mancher Lektor zum Literaturagent geworden ist. Es ist eine Form des Outsourcings für die Verlage, sie verlagern einen Teil der Arbeit an die Literaturagenturen.

Nun zum Problem: bei einer Agentur unterzukommen ist für den Schriftstelleraspiranten häufig nicht einfacher, als direkt einen Verlag zu finden. Agenten sieben ebenso rigoros aus, leben sie doch von ihrem Ruf. Zudem engagieren sich seriöse Agenturen kaum im Kleinverlagsbereich, denn dort ist die Gewinnspanne sehr gering. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche, deshalb noch eine Warnung: Autoren werden für das Veröffentlichen von Büchern bezahlt, nicht anders herum. Geld fließt von einer Agentur zum Autor, nicht in die andere Richtung.

Hier noch eine Liste mit Literaturagenturen vom Uschtrin Verlag. Das Handbuch für Autorinnen und Autoren des Uschtrin Verlags ist übrigens sehr empfehlenswert.

Ich für meinen Teil bin mit meiner Agentur mehr als nur zufrieden. Es würde mir deutlich schwerer fallen, mich ohne ihre Hilfe durch den Dschungel des Buchmarktes zu schlagen. Aber ich bin ja auch Schreiberling und kein Literaturagent.