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Termine 2016

22.10. Frankfurt

Fantasy/SciFi-Autorengespräch und Lesung auf der Open Stage. Gemeinsam mit Andreas Brandhorst und Dan Wells. Beginn 16 Uhr.


22.10. Frankfurt

Signierstunde im Signier-Zelt an der Open Stage. Beginn 17 Uhr.


23.10. Frankfurt

Signierstunde am PIPER Stand, gemeinsam mit Dan Wells, Bernhard Hennen, Markus Heitz. Beginn 11 Uhr.


1.12. Berlin

Lesung in der 12 Grad Aetherloge (Frankfurter Allee 24, 0177 3141388, 12grad-berlin.de/). Beginn 20 Uhr.

Cover Der Zorn der Trolle

Mehr über »Der Zorn der Trolle«

Sie sind hier: VeröffentlichungenDer Zorn der Trolle

Hören Sie das Grollen? Spüren Sie das Beben der Erde? Tief in der Dunkelheit ist etwas erwacht: Wesen, die der Albtraum vieler Legenden sind, deren Namen nur geflüstert werden. Lesen Sie das größte Abenteuer, das J. R. R. Tolkiens gefährlichstes Volk je erlebt hat! Sie sind groß, stark und hässlich - Trolle.

In "Die Trolle" und "Die Schlacht der Trolle" haben sie Zwergen, Magiern und Elfen das Fürchten gelehrt. Gemeinsam mit den Menschen sind sie in eine schicksalhafte Schlacht gezogen, der Feind schien besiegt. Doch nun kehrt er zurück, mächtiger als je zuvor, und die Nachkommen der Helden müssen sich der Herausforderung ihres Lebens stellen. Gemeinsam müssen sie eine Waffe gegen den Feind finden, sonst drohen alle Völker unterzugehen ...

Der Zorn der Trolle Heyne TB, 544 Seiten ISBN-13: 978-3453524217
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Die Trolle sind in der Fantasy ja gemeinhin die Bösen, sprich Antagonisten. Sie ein wenig differenzierter darzustellen, und ihnen ein Bild jenseits von dumm-stark-böse zu geben, hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Hier gibt es die offizielle Leseprobe des Heyne Verlags. (PDF 280 KB)

Leseprobe »Der Zorn der Trolle«

Das Brüllen hallte durch die Gänge und Höhlen, ein tiefes, dumpfes Geräusch, das sich an den Wänden brach. Die Kämpfer umklammerten sich gegenseitig, schlugen mit den Fäusten aufeinander ein, rissen mit Klauen und Hauern tiefe Wunden. Ihr dunkles Blut lief über ihre knotige, graue Haut, troff zu Boden und sammelte sich in kleinen Seen. Ihr Schnauben drang an Kerrs Ohren, und seine Nüstern zuckten beim Geruch des Blutes. Im Zwielicht der Kaverne kämpften die größten Jäger ihrer Stämme, und das Schauspiel hielt Kerrs Blick nahezu gefangen. Doch der Troll hatte in seinem Leben schon zu viel gesehen, um sich gänzlich davon vereinnahmen zu lassen. Sieh dich um. Das würde Druan mir raten, dachte der Troll. Sieh dich um und verstehe. Amüsiert folgte er dem erdachten Rat seines alten Lehrmeisters. Dass Druan so lange Zeit nach seinem Tod noch immer anwesend war, erfreute ihn.

Die Trolle standen in einem weiten Kreis in der Höhle. Viele Stämme waren gekommen. Zwischen den Trollen sah Kerr auch Andas Kinder, die ebenfalls dem Ruf gefolgt waren. Kerr konnte die Schatten des Dunkelgeists erkennen, die über ihre Haut liefen, sah die Wildheit in ihrer Gestalt, das kaum gezähmte Verlangen, in den Kampf einzugreifen. Sie waren größer als die Trolle aller anderen Stämme und von einem Kampfeswillen erfüllt, der selbst Pard gefallen hätte.

Einst wäre ein Kampf wie dieser undenkbar gewesen. Nicht Jagd, nicht Krieg war der Anlass, sondern nur ein Zusammentreffen zweier Gegner. Es gab keinen Streit, keine Meinungsverschiedenheit, die mit der Faust gelöst werden musste. Es ging nicht um die Frage nach dem Anführer, die nur im Zweikampf beantwortet werden konnte. Der Kampf galt allein dem Kräftemessen und jenen, die dabei zusahen. Auch Kerr empfand beim Anblick der zur Schau gestellten Stärke beider Kontrahenten Freude. Dennoch wanderte sein Blick über die Zuschauer. Bei diesen seltenen Zusammentreffen vermengten sich die ursprünglichen Trolle und Andas Kinder, während sie sich ansonsten aus dem Weg gingen. Nur wenn sie in den Krieg zogen, fanden sie zueinander, wie die Zwerge zu ihrem Leidwesen mehr als einmal festgestellt hatten. Die Sprösslinge von Andas Zorn lebten tiefer als die übrigen Stämme in den Gebeinen der Erde, wo das Dasein noch härter war und nur ihre legendäre Kraft und Zähigkeit ihnen überhaupt ein Überleben ermöglichte. Dort, wo die Luft stets heiß war und es nur wenig Wasser und Nahrung gab, trotzten sie der Welt ihre Existenz ab.

Der Kampf wogte noch hin und her, doch Zran wurde müde, während seine Gegnerin über die unerschöpfliche Kraft des Dunkelgeists verfügte. Er ist kein Pard, dachte Kerr bei sich, und bei der Erinnerung an den großen Jäger verzog er schmerzlich das Gesicht. Pard war es einst gewesen, der sich Anda entgegengestellt hatte und dem es gelungen war, die unbesiegbar erscheinende Trollin zu töten, auch wenn es ihn sein eigenes Leben gekostet hatte. Immer noch vermisste Kerr den Anführer ihres Stammes, der ihn oft wegen seiner Schwächen verspottet hatte. Aber er hat auch meine Stärken erkannt, und er hat mir vertraut. Wir könnten einen wie ihn gebrauchen. Seit Turk gefallen ist, fehlt den Jägern einer, der so ist, wie diese beiden es waren. Als wolle er die düsteren Gedanken des Trolls bestätigen, verlor Zran in diesem Moment den Halt und fiel zu Boden. Sein Gegenüber beugte sich über ihn, und für einen Moment glaubte Kerr, dass die Trollin sich auf ihn stürzen würde. Unbewusst spannte er die Muskeln an, bereit, voranzustürmen. Gewalt lag in der Luft; er konnte sie riechen, schmeckte sie auf der Zunge, fühlte sie im Schlag seines Herzens.

Doch Andas Kind legte nur den Kopf in den Nacken und ließ ein Siegesgeheul ertönen. Langsam atmete Kerr aus und entließ die Spannung aus seinem Leib. Er war einer der wenigen, die noch die Zeiten des Trollkrieges kannten, weil er dabei gewesen war. Die Wirren der nachfolgenden Zeiten hatten viele das Leben gekostet, die Kriege gegen die Zwerge ihren Tribut gefordert, und natürlich war das Leben in den Tiefen der Welt niemals leicht. Das Geheul weckte alte Erinnerungen in dem Troll; Erinnerungen an dunkle Gänge, durch die er gejagt worden war, an Kämpfe und schließlich an Druans Tod unter Andas Klauen. Doch nun standen alle Trolle Seite an Seite.

Mühsam richtete Zran sich wieder auf. Einige seiner leichteren Wunden schlossen sich bereits wieder. Seit Andas Tod waren die Klauen ihrer Kinder weniger gefährlich; noch immer konnten sie töten, aber wenigstens heilten die von ihnen gerissenen Wunden wieder, wenn sie nicht zu tief gingen. Reflexartig griff Kerr sich an die Seite, wo die wulstigen Narben noch von der Macht der toten Trollin kündeten. Das Geheul schwoll noch einmal an, dann verebbte es.

Kerr spürte die Blicke der Trolle auf sich ruhen. Aller Trolle. Wer hätte gedacht, dass Andas Trolle jemals auf mein Wort warten würden, dachte er spöttisch, trat aber mit ernster Miene in den Kreis, wo die Trollin gerade Zran den Arm reichte. Oder dass einer von ihnen einem von uns Hilfe anbietet. Der durchdringende Geruch des Blutes lenkte ihn ab, ebenso wie die anderen Trolle. Einige waren nervös, scharrten mit den Füßen. Kerr roch ihre Zweifel.

Ruhig ließ er den Blick über die Versammlung wandern, drehte sich langsam im Kreis und fixierte jeden. Es war still in der Höhle, abgesehen vom Herzschlag der Welt, der niemals gänzlich verstummte. Kerr wusste, dass er ihn schärfer vernahm als andere Trolle, sogar schärfer als Andas Kinder. Die Ereignisse damals hatten ihre Spuren nicht nur auf seinem Leib hinterlassen, sondern auch in seinem Geist. Noch immer träumte er manchmal von der Oberwelt, vom grellen Licht der Sonne, das dort herrschte, und von der endlosen Weite des Sternenhimmels. So viel Zeit war vergangen. Die Jungen seines menschlichen Hareeg Sten waren schon erwachsene Mitglieder ihres Stammes; ebenso wie seine eigenen Kinder es hier unter der Erde waren.

Wie immer, wenn er vor allen sprach, rief er die Erinnerungen nun freiwillig zu sich. Er spürte die Gegenwart seiner alten Freunde und Gefährten an seiner Seite: Druan und Pard, die sich zu ihnen gesellten. Die ihn alles gelehrt hatten, was er wusste. Die ihn zu dem gemacht hatten, was er jetzt war. Die Verbindung zwischen Andas Kindern und den Trollen. Die Geisterstimme, die beide Welten kannte und in ihren Worten sprach. Die gegen und mit Anda gekämpft hatte. Sie alle warteten auf seine Worte, weil sie alle ihnen vertrauten. Was, wenn ich nicht mehr bin?, zuckte es ungebeten durch Kerrs Geist, bevor er die Stimme erhob.

»Ein guter Kampf.«

Eine einfache Feststellung, die auf Zustimmung traf. Einige brummten leise, andere nickten. Kerr machte eine Pause, sammelte seine Gedanken. Seine nächsten Worte würden für Unruhe sorgen, und er wollte, dass jeder sie verstehen konnte.

»Viele Dreeg haben wir nun gemeinsam in unserer Heimat verbracht. Wir haben gekämpft.« Wieder wartete er kurz ab. »Und wir haben gesiegt!«

Diesmal nickten sie alle, die ursprünglichen Trolle und Andas Kinder. Keiner hier, nicht einmal die Jüngsten, kannte ein Leben ohne Kampf.

»Wir sind unbeugsam geblieben. Wir haben unsere Heimat verteidigt. Wir haben hier unsere Schlachten geschlagen, wo wir Trolle seit Ewigkeiten leben. Aber jetzt müssen wir einen Kampf beginnen, der uns woandershin führt.«

Das überraschte seine Zuhörer. Seit dem letzten Vordringen der Zwerge war einige Zeit vergangen. Die Trolle hatten ihnen eine blutige Nase verpasst, ihnen in den Tunneln und Höhlen aufgelauert und sie vertrieben. Bislang hatten die Zwerge sich von dieser Niederlage noch nicht erholt. Aber das werden sie. Sie werden wiederkommen und wieder und wieder. Und irgendwann werde ich nicht mehr sein, und es wird einen unüberwindbaren Graben geben zwischen den ursprünglichen Trollen und Andas Kindern. Ich bin die Brücke, erkannte Kerr, und mit mir wird diese verschwinden. Eine leise Ahnung davon hatte er schon vor langer Zeit verspürt. Seine einzigartige Beziehung zu dem Dunkelgeist gab ihm eine besondere Stellung in den Augen von Andas Kindern, die sonst nur Stärke verehrten.

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